Aktuelles

Bürgerbeteiligung pur

Tony Falconieri mit dem Partnerstädte-Kochbuch

Im vergangenen Jahr blickten die Städtepartnerschaften Göppingen-Foggia (Süditalien) und Göppingen-Klosterneuburg (Niederösterreich) jeweils auf 45 Jahre zurück. Doch Bürgerfahrten, Schüleraustausche, Kulturbegegnungen und Vereinsunternehmungen prägten auch die Freundschaften zu Sonneberg (Thüringen) und Pessac (Südwest-Frankreich). Das Zusammenspiel der Städtepartnerschaften in der Hohenstaufenstadt symbolisiert das Kochbuch „Grenzenlos genießen – wenn Partnerstädte kochen“, das am 8. Juni, unmittelbar vor dem Maientag, vom Vorsitzenden der INITIATIVE für Städtepartnerschaften, Tony Falconieri, im Rathaus präsentiert wurde.

Mit einer ausführlichen Gemeinderats-Drucksache und einer bebilderten Powerpoint-Präsentation – beides übrigens auch im Internet unter www.goeppingen.de Bereich „Unsere Stadt – Städtepartnerschaften“ zu finden – wurde der Verwaltungs- und Finanzausschuss vergangenen Donnerstag noch einmal auf eine städtepartnerschaftliche Reise durch das Jahr 2016 eingeladen. Und die VFA-Mitglieder zeigten sich rundum zufrieden mit der Entwicklung – die Göppinger Städtepartnerschaften seien Bürgerbeteiligung pur! Starken Anteil an den städtepartnerschaftlichen Begegnungen haben die Schulen. So pflegen die Schiller-Realschule und die Uhland-Realschule regelmäßige gegenseitige Besuche mit dem Collège Noes beziehungsweise dem Collège Jeanne d’Arc in Pessac – im vergangenen Jahr konnte Oberbürgermeister Guido Till die französischen Schüler/-innen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, am 16. und am 17. März, im Rathaus begrüßen. Aus Foggia kamen 19 Schüler/-innen des Liceo Carolina Poerio zum Freihof-Gymnasium; und in den Herbstferien reiste eine Gruppe Göppinger Schülerinnen im Rahmen des städtisch organisierten Austausches nach Süditalien – der Gegenbesuch findet Ende April statt.

Musik ohne Grenzen erlebten Schüler/-innen dreier Göppinger Bildungseinrichtungen bei einem gemeinsamen Gastspiel in Foggia: Das kombinierte Orchester aus Freihof-Gymnasium, Hohenstaufen-Gymnasium und Freie Waldorfschule besuchte das Musik-Gymnasium Liceo Carolina Poerio. Anfang April kommen die jungen Foggianer Musiker/-innen in die Hohenstaufenstadt und geben am 3. und 4. April, jeweils um 19 Uhr, ein Konzert in der Waldorfschule Faurndau beziehungsweise in der Stadtkirche. Dort gastierte vergangenes Jahr am 7. Mai der Chor Chantenoes aus Pessac, der eine jahrelange Partnerschaft mit dem Göppinger Kammerorchester inklusive gemeinsamer Konzerte in beiden Städten pflegt. Mit der Stadtkapelle Klosterneuburg kamen Anfang Juni weitere musikalische Gäste nach Göppingen und bereicherten das Maientags-Programm.

Apropos Klosterneuburg: Gertraud Kostiuk und DI Gerhard Papp vom Künstlerbund Klosterneuburg stellten, auf Vermittlung des Hohenstaufener Galeristen Rüdiger Wolff, zahlreiche Werke im Wäscherschloss aus. Im Gegenzug zeigte Claus Schrag aus Heroltstatt seine Tierbilder in der niederösterreichischen Partnerstadt. Bei dieser Gelegenheit wurde Rüdiger Wolff übrigens zum Ehrenmitglied des Klosterneuburger Künstlerbundes ernannt.

Auch die Bürgerschaft ging kräftig auf Partnerschafts-Reisen. Der Arbeitskreis Klosterneuburg organisierte seine jährliche Fahrt vor die Tore Wiens; der Verein Freunde Göppingen-Pessac führte sein beliebtes Göppinger Bierfest vor den Toren von Bordeaux durch. Pessacer Bürger/-innen kamen ihrerseits zum Maientag und wurden vom Verein privat untergebracht und betreut. Der Arbeitskreis Sonneberg wiederum führte 35 Bürger/-innen aus Thüringen ein Wochenende lang auf den Spuren der Staufer durch unsere Region. In diesem Jahr gibt es Bürgerfahrten von Göppingen nach Foggia, Sonneberg und Klosterneuburg allesamt organisiert von den jeweiligen Arbeitskreisen.

Dass die Städtepartnerschaften in Göppingen auch untereinander kommunizieren, beweist das Kochbuch „Grenzenlos genießen – wenn Partnerstädte kochen“, in dem 81 Rezepte für Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts aus fünf Städten in vier Ländern auf drei Sprachen zu finden sind.

Typ Name Datum Größe
pdf GR-Vorlage Rückblick auf 2016.pdf 21.03.2017 126 KB
pdf VFA-Präsentation Rückblick Städtepartnerschaften und Patenschaften 2016.pdf 21.03.2017 10,6 MB


OB Till: Unsere Werte sind unverrückbar

Eine Begegnung unter Freunden: Beim Neujahrsempfang der Stadt Sonneberg hielt Göppingens Oberbürgermeister Guido Till die Festrede und appellierte, unsere Werte und unsere Verfassung gemeinsam zu verteidigen. Sonnebergs Bürgermeister Dr. Heiko Voigt kritisierte die Pläne für die Gebietsreform in Thüringen und plädierte für ein länderübergreifendes gemeinsames Oberzentrum Sonneberg/Neustadt bei Coburg.

Seit September 1990 sind Göppingen und Sonneberg offizielle Partnerstädte. Seitdem sind viele Verbindungen und Freundschaften erwachsen. Nach dem ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel 2015 und dem US-Generalkonsul Scott Riedmann 2016 setzte heuer Oberbürgermeister Guido Till die Reihe der Festredner beim Neujahrsempfang in Sonneberg fort. Zuvor allerdings gab Bürgermeister Dr. Heiko Voigt einen Rück- und Ausblick auf aktuelle politische Entwicklungen in der Spielzeugstadt, die sich ganz der Haushaltskonsolidierung verschrieben hat. Dr. Voigt übte heftige Kritik an den Plänen der thüringischen Landesregierung zur Gebietsreform. Angesichts der erfolgreichen Zusammenarbeit in der Metropolregion Nürnberg, zu der auch die thüringische Stadt gehört, plädierte er für ein gemeinsames Oberzentrum aus Neustadt bei Coburg und Sonneberg. Der Wirtschaftsraum mit seinen 40.000 Einwohnern dürfe nicht durch die künstliche Ländergrenze zwischen Bayern und Thüringen behindert werden. „Ich spreche nicht von einem Länderwechsel Sonnebergs – noch nicht.“

Im weiteren Verlauf seiner Ansprache wurden Parallelen zwischen den beiden Partnerstädten deutlich. So herrsche auch in Sonneberg Mangel an Bauflächen für Gewerbe und Wohnen, doch niemand verkaufe Grundstücke. Die vier Säulen Ehrenamt, Kultur, Sport und Vereine mache eine Gesellschaft aus, fuhr Dr. Voigt fort. Zudem gab er einen Ausblick auf vielfältige Veranstaltungen in Sonneberg, mit verschiedenen 700-Jahr-Feiern einzelner Stadtteile, dem Stadtfest, den Jazztagen und dem Puppenfestival.

„Als am 3. Oktober 1990 die deutsche Einheit auch offiziell vollzogen wurde, da waren die Städte Sonneberg und Göppingen bereits seit über zwei Wochen offizielle Partner“, blickte Göppingens Stadtoberhaupt 27 Jahre zurück. Seitdem hätten die neuen Bundesländer und exemplarisch die Stadt Sonneberg einen enormen Aufschwung vollzogen, infrastrukturell wie wirtschaftlich. Einer 2016 in Paris vorgestellten OECD-Studie „Regions at a Glance – Regionen auf einem Blick“ zu Folge ist die Lebensqualität im Osten Deutschlands in einigen der elf untersuchten Bereiche höher als im Westen, so zum Beispiel bei der Bildung der Erwerbsbevölkerung, bei der Umwelt und beim Wohnen. Der am 21. September vergangenen Jahres vorgestellte Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit 2016 kam zum Ergebnis, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in den neuen Bundesländern von 1991 bis 2015 von 42,8 Prozent auf 72,5 Prozent des Niveaus in den westlichen Bundesländern gestiegen sei. „Ein beachtlicher Aufholprozess“, befand Till. „Aber der Wert liegt im Osten damit immer noch 27,5 Prozent unter dem im Westen.“ Nicht überall seien also die ‚blühenden Landschaften‘ entstanden, und vor allem nicht so schnell wie ursprünglich erwartet. Auch heute gebe es große Unterschiede in den Lebensbedingungen der verschiedenen deutschen Regionen – aber nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Nord und Süd, vor allem aber zwischen dem ‚flachen Land‘ und den großen Ballungsräumen.

Sonneberg habe eine vorbildliche Entwicklung genommen, würdigte Guido Till: „Ob städtebaulich oder infrastrukturell – Ihre Stadt kann sich sehen lassen. Deutsches Spielzeugmuseum, SonneBad, beeindruckende Kindertagesstätten – die weichen Standortfaktoren sprechen für sich.“ Die Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent liege unter dem Bundesdurchschnitt, die Beschäftigtenquote und die Betriebsdichte in der Industrie nehmen Spitzenplätze in Thüringen ein. Selber nach 1990 mehrere Jahre lang als Beigeordneter in Halle und in Wittenberg tätig gewesen, könne er die Entwicklung Sonnebergs gut einordnen. „Und ich weiß, welche Veränderungen vor allem die Menschen in den neuen Bundesländern zu bewältigen hatten – und manchmal auch nicht bewältigen konnten. Für 16 Millionen Menschen änderte sich in kürzester Zeit fast alles. Die Wiedervereinigung als Folge der friedlichen Revolution war ein Glücksfall, für den wir den Menschen in der damaligen DDR zutiefst dankbar sein müssen und ihnen unseren tiefen Respekt zollen.“

Strahlkraft der westlichen Werte

Zur friedlichen Revolution führte die Strahlkraft der westlichen Werte, zitierte Till den Zeitzeugen und Bundespräsidenten Joachim Gauck „Wir sehnten uns nach Freiheit und Menschenrechten, nach Rechtsstaat und Demokratie.“ Sonneberg und Göppingen gehören zum westlichen Abendland, haben gemeinsame historische Wurzeln, fuhr OB Guido Till fort: „Unsere Geschichte, die Geschichte Deutschlands, beinhaltet die griechische und die römische Kultur ebenso wie das Christentum, die Aufklärung und den Humanismus. Diese Entwicklungen sind in unsere Historie eingeflossen und haben sie mit geprägt. Unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere Rechtstaatlichkeit sind Ausfluss dieser Entwicklung. Und sie sind Errungenschaften, auf die wir stolz sind und die, wie auch Bundespräsident Joachim Gauck bekräftigte, nicht zur Disposition stehen.“ Vielmehr müssten diese Werte hoch gehalten und bewusst gemachen, ja aktiv verteidigt werden.
Till zeigte sich als glühender Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft, die die Unternehmen schütze, aber den Unternehmern auch Verantwortung auferlege. 2009/2010 hatte Göppingen die höchste Kurzarbeiterquote in Deutschland. Die Betriebe hätten ihre Mitarbeite/-rinnen nicht entlassen, sondern im verringerten Umfang weiterbeschäftigt oder sie mit staatlicher Hilfe in Qualifizierungsmaßnahmen fort- und weitergebildet. Bei der heutigen Vollbeschäftigung könnten die Betriebe auf ihre Personalteams zurückgreifen. Die Firmen hätten erkannt, dass sie zum Erfolg Menschen, nämlich erfahrene und kompetente Mitarbeiter/-innen, brauchen. Nach der Wende sei dies leider nicht so gewesen; massenhaft wurden Menschen ‚freigesetzt‘ und Unternehmen ‚abgewickelt‘. „Dies schmerzt bis heute – ein humanerer Umgang mit den Menschen damals hätte manche Wunde vermieden“, erklärte Till. „Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor den Thüringerinnen und Thüringern sowie vor den Menschen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Innerhalb relativ kurzer Zeit haben sie die Ungleichheit zum Westen abgemildert und beweisen, dass sich die Menschen in Deutschland immer wieder schnell aus Krisen herausgearbeitet haben.“

Zur Sozialen Marktwirtschaft gehöre, dass zunächst jeder für seinen eigenen Unterhalt selber Sorge zu tragen habe; wenn er das nicht könne, lasse ihm die Gesellschaft solidarisch Hilfe zu Teil werden. „Dies halte ich auch für meine Pflicht als gläubiger Christ und als Ausfluss des Humanismus. Und diese christlich-abendländischen, diese humanistischen Wurzeln, sie verbinden uns mit Europa.“ Auch wenn die Europäische Union derzeit kein gutes Bild biete – Europa sei ohne Alternative. Nur gemeinsam könne Europa die großen Herausforderungen meistern, sei es die Flüchtlingssituation, sei es die Beziehung zu Amerika unter Donald Trump. „Wir müssen klar gegen den auch in Europa voranschreitenden Populismus, gegen die Demagogen, Flagge zeigen“, forderte Guido Till unter dem Beifall der Zuhörer/-innen. Angesichts der Wahlen in Deutschland, Frankreich und Holland in diesem Jahr gelte es, unsere seit Jahrzehnten gefestigte und bewährte Demokratie gegen Populisten zu verteidigen. Dabei müssten Politiker/-innen die Sorgen und Ängste der Bürger/-innen ernst nehmen sowie klarer und deutlicher sagen, was gehe und wie es gehe. „Wir müssen unsere Polit-Sprache kritisch hinterfragen und vielleicht auch einmal einfachere, verständlichere Worte finden“, meinte Till. „Aber die Antworten sind nicht immer einfach. Es gibt nicht für alle Herausforderungen schnelle Lösungen. Wer dies suggeriert, der täuscht das Volk.“ Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und vor allem die Menschenwürde jedes Einzelnen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion, seien für ihn unverrückbar.

Die Präsidentin des baden-württembergischen Landtags Muhterem Aras umschrieb in einem Interview mit der Südwest-Presse am 21. Januar ihre Werte wie folgt: „Es sind die Werte unserer Verfassung, die sicher eine der besten Verfassungen der Welt ist: Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Pluralität. All das hat unsere Gesellschaft stark gemacht, und das müssen wir wieder in den Mittelpunkt rücken…..Ich will in den Vordergrund rücken, dass an diesen unseren Werten nicht zu rütteln ist. Wir müssen sie mit aller Kraft verteidigen.“ Till griff die Worte von Bundespräsident Gauck auf: „Dieses Land ist die Heimat meiner Werte … Besonders deswegen fühle ich mich hier zugehörig, zuhause.“ Abschließend ergänzte Oberbürgermeister Guido Till: „Auch unsere Städte sind die Heimat meiner Werte. Auch deswegen fühle ich mich in Göppingen heimisch und zugehörig, und auch deswegen fühle ich mich in Sonneberg, bei Ihnen, unseren Freunden, zuhause.“

  

Ansprechpartner

Willi Schwaak
Hauptamtsleiter
07161 650-205
WSchwaak@goeppingen.de

Anschrift

Stadtverwaltung Göppingen
Hauptstraße 1
73033 Göppingen