Martin Maskosky

Der Göppinger Stadtmedicus Martin Maskosky war eine schillernde Persönlichkeit, durchaus mit Verdiensten für die Stadt. So hatte er eine aktive Rolle im Widerstand gegen die drohende Besetzung Göppingens durch französische Truppen 1688. Als Arzt und Stadtarzt, der für die herzoglichen Bäder Göppingen und Boll zuständig war, war er nicht unumstritten. Ihm wurde nachgesagt, dass er nur ein „Marktschreier“ sei, der öffentlich chirurgische Eingriffe vorgenommen habe.

Maskosky wurde auch eine Mitschuld beim Niedergang des Bades im 17. Jahrhundert zugeschrieben. In einem „Gutachten“ urteilten Untervogt und Keller, „der Physikus gelte im ganzen Land nichts, er habe die Medizin nicht ex fundamento studiert und besitze keinen Doktortitel. Er laufe (dem Gerücht zufolge) zuviel zu den Badgästen und wolle nicht dulden, dass sie einen anderen Arzt nehmen, auch hetzte er gegen den Wirt.“ Maskosky wehrte sich gegen die Anfechtungen, auch in seiner Badschrift über das „Göppinger Bethesda“, er schreibt dazu, dass er „unter vielerlei Anfechtungen, Haß und Nachreden ... den Brunnen treulich gepfleget, sein bestes nach bewohnenden Kräften und Vermögen“ getan habe. Maskosky konnte seinen Posten retten, die herzogliche Rentkammer beschloss lediglich, den Badwirt zu wechseln, damit es mit dem Bad wieder aufwärts geht.

Die Dr. Maskosky-Kur
 
In seinem Badbüchlein beschreibt Maskosky sehr ausführlich den Tagesablauf und die Vorteile einer Kur in Göppingen, doch bei Arzneimitteln, Angaben zur Trinkmenge oder Badezeit, bei konkreten Anweisungen zur Kur hält er sich zurück und schreibt, dass dies der Arzt vor Ort individuell festlegen müsse.
Seine schriftlichen Ausführungen beziehen sich auf die Kurvorbereitung, die Bade- und Trinkkur sowie auf die Diät, die man im Bad einhalten sollte. Die Dr. Maskosky-Diät bezieht sich nicht nur auf Essen und Trinken, sie umfasst ganzheitlich die Lebensführung des Kurgastes während und nach der Kur.   
 
„Was vor dem innerlichen Gebrauche des Sauerbrunnens zu tun ist“

Eine Kur zu Hause lehnte Dr. Maskosky ab. Das Wasser müsse bei der Quelle getrunken werden, dort ist es am „allerkräftigsten und seine Spiritibus (Geister = Kohlensäure) und Contentis (Inhaltsstoffe) sind noch ganz unverrochen, also am natürlichsten“.
Vor Antritt der Reise ins Bad muss schon daheim im Essen und Trinken „Maß gehalten werden“. Vor der Reise sollten auch alle Geschäfte soweit übergeben und abgeschlossen sein, so dass man nicht bei der Kur gestört wird. Für den Kurerfolg ist ein völliges „Abschalten“ notwendig.
Nach Ankunft im Bad und Zuweisung eines Zimmers soll der Arzt den Patienten untersuchen und ihm mitteilen, wie er sich purgieren, d. h. reinigen soll. Die innere Reinigung ist notwendig, denn nur so kann das Sauerwasser seine Wirkung tun. Individuell verordnete der Badearzt Aderlass, Schröpfen oder Laxativa (abführende Mittel).
 
 „Ordnet, wie man sich in währen der Kur zu verhalten hat“:

5 Uhr, aufstehen:

Mund, Gesicht, Hände waschen und kämmen, dann beten.
Eine halbe Stunde im Zimmer auf und abgehen, dann Harn lassen, Stuhlgang.
Kein Frühstück, da das Sauerwasser unvermischt in den Magen und die Gedärme kommen soll.
 
Um 6 Uhr geht der Kurgast mit einem Glas zur Quelle:

 
Das Glas fasst 1/12 württembergisches Maß (= 0,153 l )
Trinkmenge: 1 Glas zum Gewöhnen am ersten Tag, danach steigert man die Trinkmenge um jeweils zwei Gläser pro Tag. In der Regel sind 12 Gläschen (= 1 württ. Maß = 1,837l) das Maximum.
Das Wasser wird quellkalt, langsam und genüsslich getrunken. Bei 12 Gläschen dauert das Trinken eine Stunde.
 
7 Uhr, spazieren gehen
:

Ins Grüne, in die Stadt, an den Weiden der Fils entlang.
Gemächlich gehen, nicht wie von der Tarantel gestochen.
Bei Regen im eigens erbauten Trinkhaus auf und ab gehen
 
Um 8 Uhr ruhen:


Aber nicht schlafen. Die Zeit bis zum Mittagsmahl mit guten Gesprächen oder leichter Lektüre verbringen, Kartenspiel, Einsamkeit und Schreibgeschäfte meiden:
„Das Gemüt muss frei von Sorge sein und von nachsinnlichen Gedanken unarrestirt.“
 
11 Uhr, Mittagessen:

Essen à la Carte, Wünsche können am Morgen auf Zettel angegeben werden.
Der Kurgast kann aber auch in der Küche des Badwirtes selber kochen.
Mehr als drei Gänge sind nicht erlaubt. Zum Essen kann man etwas Wein trinken.
 
12 Uhr 30, Spaziergang:

Für eine halbe oder ganze Stunde.
 
Bis 15 Uhr Unterhaltungsprogramm:

Musik, erbauliche Gespräche.
Spiele: Kegelspiel, Schieß- und Pfeiltafel.
Nachmittags wird keine Trinkkur mehr empfohlen.
 
Bis 17.30, Uhr spazieren gehen.

 
18 Uhr, Abendessen:

Auch dies mäßig.
 
19 Uhr, eine halbe Stunde Bewegung:

Danach nochmals anmutiges Gespräche und Unterhaltung.
 
21 Uhr, zu Bette gehen.

 
 
 
„Behelliget, wie man im Sauerbrunnen
zu baden hat“

 
5 Uhr, aufstehen:

Mund, Gesicht, Hände waschen und kämmen, dann beten.
Eine leichte Morgensuppe ist zum Frühstück erlaubt.
 
7 Uhr, baden:

Im Nachtrock, mit Leinentüchern, Sanduhr und Kissen begibt sich der Kurgast zum Badhaus. Er kann im gemeinsamen Badraum oder einem Kabinett baden.
Zum Wasser aufgießen und für andere Handreichungen braucht der Badegast eine Aufwärterin/Aufwärter.
 
Am Anfang sitzt man in nur mäßig warmes Wasser und nur bis zum Bauchnabel ein.
Während des Badens sind Essen und Trinken verboten.
Gegen den Durst nimmt man Rosenzucker, Veilchenzucker, Zitronenscheiben mit Zucker, kleine Rosinen in Zuckerwasser, spanische Pfläumlein oder erquickende Säfte.
 
Im Bade soll man nicht schlafen, nicht singen, laut reden, Lesen und Karten spielen.
Gegen Langeweile hilft, in Gesellschaft baden und kurzweilige Unterhaltung.
Wer alleine badet, soll sich was von seiner Aufwärterin vorlesen lassen.
 
Badedauer: Der durchschnittliche Badegast beginnt bei einer halben Stunde und steigert täglich eine viertel Stunde, bis auf maximal zwei Stunden. Auf diesem Höchststand badet er acht Tage, um dann wieder „abzusteigen“.
 
Nach Ende des Bades abtrocknen, vorgewärmtes Hemd und Schlafrock anziehen,
eine halbe Stunde im Bette ruhen.
Wenn man nicht mehr schwitzt und trocken ist, kann man vor dem Mittagessen noch etwas spazieren gehen.
 
11 Uhr, Mittagessen:

danach Spiele, Unterhaltung, kein Spaziergang.
 
Ein Vesperbad gegen 15 Uhr ist denen erlaubt, die gerne baden.
 
18 Uhr, Abendessen:

Anschließend Unterhaltung.
 
21 Uhr, Bettruhe.
 
 
 
„Was für eine Lebensordnung in der Sauerbrunnen-Cur zu führen ist“
 
Die Bade- und Trinkkur mit dem Kurmittel Sauerwasser war ein wichtiger Faktor, der den Erfolg einer Kur ausmachte. Der zweite war die richtige Lebensordnung, die Einstellung des Kurgastes, sein Verhalten im Bad. Manche Ärzte waren sogar der Meinung, dass die richtige Einstellung des Patienten zu einer umfassenden Diät mehr zur Therapie beiträgt, als die Kurmittel. Nur wer sich ganzheitlich auf eine Kur einlässt, kann wirklich gesund werden.

Für Dr. Maskosky umfasst die Diät sechs Bereiche.
 
1.  Die Luft:
Zum einen ist schon die Luftveränderung wichtig, dann muss der Kurort über gesunde Luft verfügen, was durch die herrliche Lage Göppingens gegeben ist. Wichtig ist auch die richtige Temperierung und Luftfeuchtigkeider im Zimmer.
 
2.  Speis und Trank
Ein langes Kapitel widmet der Badearzt dem Essen und Trinken. Er beschreibt genau, was verboten, was erlaubt ist. Und dies darf der Kurgast essen:
 
Brot:
Dinkelbrot oder Roggen/Dinkel-Semmel
 
Fleisch:
besser gesotten als gebraten, kein geräuchertes und eingesalzenes Fleisch.
Junges Rind-, Kalb-, Lamm-, Hammelfleisch; Reh, Kappaune, junge Hahnen, Reb- und Haselhühner, junge Tauben, Krammetvögel (Wacholderdrosseln), Lerchlein.
Keine Würste, die sind zu fett.
 
Milchspeisen:
Sind zu meiden, „sonst gerinnet die Milch durch das Sauerwasser“.
 
Fisch:
nur aus fließenden Gewässern und frisch zubereitet: Forellen, Hechte, Barsche, Grundeln
 
Salat:
meiden wegen des Essigs.
 
Gemüse:
Weißkraut, Spinat, Wirsing, Blumenkohl, Spargel
 
Gewürze
Majoran, Salbei, Rosmarin.
 
Wurzelgemüse:
Meerrettich, Zwiebel und Knoblauch sollen auch aus der Küche bleiben.
 
Mehlspeisen:
Roggen-, Muß-, und Mehlknöpflein, Spatzen sowie Hefenknöpfle nur in Maßen
 
frisches Obst:
Baumobst meiden, da dies in Kombination mit viel Sauerwasser leicht zu Durchfall führen kann. Besser sind Erdbeeren, Trauben, Johannisbeeren.
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Zucker, Lebkuchen, Konfekt und fett gebackene Kuchen sind ebenfalls zu meiden.
 
Trinken:
Ein weißer, alter Neckarwein hat allemal den Vorzug vor anderen Getränken.
Bier geht nicht, ist zur Kurzeit ab Juni meist eh schon sauer.
Ein guter Trunk: gesottenes Wasser mit Fenchel, Anis, Zimt, Wegwart, Hirschhorn und Weinbeerlein.
 
3.  Das Wachen und Schlafen:
Ist bei den Kuren schon gesagt: Viel Schlaf, früh zu Bett und früh aus dem Bett.
 
4.   Ruhe und Bewegung:
Ruhe ist das oberste Gebot, Bewegung nur gemächlich.
 
5.   Öffnung und Verstopfung:
Wichtig ist, dass alle Ausscheidungsorgane gut arbeiteten. Notfalls muss der Arzt eingreifen. Wichtig ist auch das richtige und gute Schwitzen, wozu es auch Schweißbäder gab.
 
6.   Die Gemütsbewegung:
Man hüte sich vor Zorn, da werden das Geblüth, die Lebensgeister erhitzt, das Herz beklommen und die Blutzirkulation gehindert.
Man hüte sich vor Schrecken, geht ans Herz.
Man hüte sich vor Traurigkeit, Melancholie und suche die Geselligkeit.
Man verhalte sich in puncto Hass, Neid, Liebe wie ein guter Christ.
Die Ungeduld macht die Kur zunichte.
Haussorgen sollen zu Hause bleiben.