Späte Legitimation eines schlamperten Verhältnisses nach einem italienischen Ruck
Foggia, Göppingen und Klosterneuburg feiern
„Unsere Städtepartnerschaften, die über die Jahre zu tiefen Freundschaften gewachsen sind, tragen zur Vielschichtigkeit und Vielfalt unserer Stadt bei“, würdigte Oberbürgermeister Guido Till die seit vier Jahrzehnten bestehenden offiziellen Städteverbindungen.

Beim Festkonzert begeisterte das Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Martin Gunkel.
„Deutschland wollte sich nach dem Krieg wieder mit anderen Nationen vernetzen, Bündnisse schließen und musste sich das Vertrauen der Nachbarländer neu erarbeiten“, blickte OB Till beim Festakt am Samstagabend in der Stadtkirche zurück. „Um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, ist es naheliegend, wenn Menschen sich auf freundschaftlicher Basis begegnen.“ Damit eine Städtepartnerschaft 40 Jahre lang bestehen und immer weiter wachsen kann, bedürfe es harter Arbeit. Das Herz jeder Städtepartnerschaft seien die Treffen und persönlichen Kontakte in den jeweiligen Städten. „In der Verbindung der Bürgerinnen und Bürger untereinander, in den Vereinen, in den Schulen, in den Familien, wird eine Städtepartnerschaft gelebt und gepflegt, hier verbinden sich Nationen.“ Die formell geschlossenen Städtepartnerschaftsverträge seien wichtig, um einen offiziellen Rahmen zu geben. „Gelebt und getragen wird eine Städtepartnerschaft jedoch von den Menschen, die sich für sie einsetzen.“ Till dankte all denjenigen, die sich in den Arbeitskreisen, in den Vereinen und Gruppen engagieren, sowohl in Göppingen als auch in Foggia und Klosterneuburg. Stellvertretend nannte er Stadtrat Hans Bernlöhr, der schon bei den Gründungsbeschlüssen im Juli 1971 dem Gremium angehörte und seitdem in beiden Städtepartnerschaften fest verwurzelt sei.

Auch aus Sonnenberg war eine Delegation mit Bürgermeisterin Sibylle Abel (Fünfte von links) an der Spitze angereist.
Sindaco (Bürgermeister) Gianni Mongelli aus Foggia würdigte ebenfalls die in vier Jahrzehnten gewachsene Freundschaft, die aus den gemeinsamen staufischen Wurzeln hervorgegangen sei. Stefan Schmuckenschlager, Bürgermeister in Klosterneuburg, bezeichnete die 1971 geschlossene Städtepartnerschaft als „späte Legitimation eines schlamperten Verhältnisses“, seien die beiden Gemeinden als Patenstädte über Heimatvertriebene doch schon seit Anfang der 60er Jahre verbandelt gewesen. Bezeichnend sei, dass es zur „Eheschließung“ eines „italienischen Rucks“, nämlich der zuvor geschlossenen Partnerschaft mit Foggia, bedurft habe.
Beim Festkonzert brillierte das Göppinger Jugendsinfonieorchester unter seinem Dirigenten Martin Gunkel und riss die Zuhörer/-innen in der vollbesetzten Stadtkirche zu standing ovations hin. Dabei wusste der 17-jährige Göppinger Hornist Sebastian Gunkel ebenso zu überzeugen wie die junge Mezzo-Sopranistin Sarah Katharina Hudarew vom Ensemble des Badischen Staatstheaters Karlsruhe.

Prof. Leopoldo Bibbo übersetzte die Grußworte von Sindaco Gianni Mongelli.

Oberbürgermeister Guido Till und Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager bekräftigten die Partnerschaft mit ihren Unterschriften.
20 Jahre Städtepartnerschaft mit Sonneberg 2010
35 Jahre Städtepartnerschaften - Feierlichkeiten in Maientag 2006 eingebunden
„Vor 35 Jahren haben wir Städtepartnerschaften mit Klosterneuburg und Foggia geschlossen – aus ihnen sind liebe Freunde geworden“, würdigte Oberbürgermeister Till die Verbindungen nach Niederösterreich und Süditalien im Rahmen des Jubiläumskonzerts am Samstagabend. „Mit unseren vier Partnerstädten bilden wir das Fundament der Europäischen Union – nicht allein, aber im Verbund mit Tausenden von Städtepartnerschaften, die sich wie ein Netz über Europa spannen und den politischen Prozess der Europäischen Einigung tragen.“ Europa sei nicht die ferne EU in Brüssel, Europa seien wir alle. „Nur wenn es uns gelingt, die Bürgerinnen und Bürger unserer Städte von der politischen Idee ganz praktisch, im Zusammenleben, zu begeistern, nur dann wird es einmal eine echte Europäische Union geben“, hob Till die Bedeutung der Städtefreundschaften auch 35 Jahre nach Gründung hervor.

Die Baukunst der Staufer in Unteritalien beleuchtet die Ausstellung im "Storchen", die noch bis 10. September 2006 zu sehen ist. Arthur Haseloff dokumentierte die Bauwerke von 1905 bis 1915.

Die Scherenschnitt-Ausstellung mit Werken von Josefine Allmayer aus Klosterneuburg war im Atrium des Göppinger Rathauses zu sehen.

In der Stadthalle beleuchtete eine Ausstellung die Spuren Friedrichs II. in Apulien.

In der Oberhofenkirche beeindruckten beim Festkonzert die Junge Sinfonie Klosterneuburg und das Göppinger Jugendsinfonieorchester.

Internationale Festgäste: Italiens Generalkonsul Dottore Faiti Salvatori,

Foggias Bürgermeister Dottore Orazio Ciliberti (Mitte), mit Prof. Leopoldo Bibbò (links) und Oberbürgermeister Guido Till,

und Bürgermeister Dr. Gottfried Schuh (stehend) aus Klosterneuburg.
Programm-Vorschau
„Wir sind glücklich, mit der Perle Apuliens - Foggia - und dem Juwel Niederösterreichs - Klosterneuburg - seit nunmehr 35 Jahren freundschaftlich verbunden zu sein“, blickt Oberbürgermeister Guido Till den Partnerschaftsfeiern rund um den Maientag 2006 freudig entgegen.
Seit Sommer 1971 besteht die Städtepartnerschaft mit Foggia, Residenz- und Lieblingsstadt des Stauferkaisers Friedrich II. Mit 170.000 Einwohnern ist die in Süditalien gelegene, rund 30 Kilometer vom adriatischen Meer entfernte Stadt die größte der vier Göppinger Partnerstädte. Und im Herbst 1971 gingen Klosterneuburg, vor den Toren Wiens gelegen, und Göppingen eine Städtepartnerschaft miteinander ein, deren Wurzeln ebenso weit zurückreichen: Anfang des 12. Jahrhunderts heiratete Markgraf Leopold III die Kaisertochter Agnes, die in erster Ehe mit dem Schwabenherzog Friedrich von Hohenstaufen verehelicht war. Außerdem üben beide Städte eine Patenschaft über die Heimatvertriebenen des Schönhengstgaus aus. Das jeweils 35-jährige Bestehen der Städtepartnerschaften wird in den kommenden Wochen gebührend kulturell gefeiert.
Drei Ausstellungen
Die Ausstellung „Staufische Bauten in Unteritalien – Ein deutsches Forschungsprojekt vor 100 Jahren““, konzipiert vom Kunsthistorischen Institut der Universität Kiel, erinnert an die von Kaiser Wilhelm II. protegierte Mission, die der deutsche Kunsthistoriker Arthur Haseloff (1872 bis 1955) von 1905 bis 1915 leitete. Im Mittelpunkt standen die in Apulien, der Basilicata und auf Sizilien gelegenen Burgen Friedrichs II. Die Ausstellung stellt das Hohenstaufenprojekt vor und zeigt Fotografien staufischer Bauten in der faszinierenden süditalienischen Kulturlandschaft vor 100 Jahren, zu sehen im Städtisches Museum im Storchen, 18. Mai bis 10. September, dienstags bis samstags 13 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 11 bis 17 Uhr. Eröffnung Mittwoch, 17. Mai, 19:30 Uhr.
„Die Kunst des Scherenschnitts“. Der Scherenschnitt ist eine alte Kunst, die ursprünglich aus China stammt. In Mitteleuropa erlebte der Scherenschnitt seine Blütezeit in der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts. Die aus dem Museum Kierling/Klosterneuburg stammende Ausstellung zeigt Werke der größten österreichischen Scherenschnittkünstlerin Josefine Allmayer (1904 bis 1977), die in Kierling bei Klosterneuburg geboren wurde und den größten Teil ihres Lebens in Maria Gugging wohnte. Josefine Allmayer hat eine sehr große Zahl von Scherenschnitten primär als Gebrauchsgrafik hergestellt. So wurden zahlreiche Bücher und Zeitschriften mit ihren Scherenschnittbildern illustriert. Rathaus-Atrium, 19. bis 28. Mai, zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses; Eröffnung Freitag, 19. Mai, 16 Uhr.
Die Ausstellung „Spuren Friedrichs II. in Apulien“, präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Istituto Italiano di Cultura Stuttgart, zeigt an Hand von Bildtafeln das bewegte Leben, die Politik und Kultur des Stauferkaisers Friedrich II. sowie Orte und bauliche Zeugnisse der Region Apulien, zu sehen im Stadthallen-Foyer vom 21. Mai bis 28. Juni während Veranstaltungen in der Stadthalle oder nach Absprache unter Telefon 07161/650-135. Eröffnung Sonntag, 21. Mai, 11 Uhr.
Lesung
Professor Leopoldo Bibbò aus Foggia und Dieter Biskup gestalten am 16. Mai um 20 Uhr in der Stadtbibliothek am Kornhausplatz die zweisprachige Lesung „vino e pane – Wein und Brot“ aus dem Buch von Ignazio Silone. Die Geschichte eines jungen Intellektuellen, der sich vom faschistischen Regime abgestoßen fühlt, den Kommunisten zugewandt hat und auch hier seine Erwartungen getäuscht sieht, ist gleichzeitig politischer Thriller und beredte Schilderung einer ganzen historischen Epoche vor der Kulisse der herben südlichen Landschaft der Abruzzen. Bei dieser literarisch-kulinarischen Veranstaltung werden, dank Unterstützung des Weinmusketiers, Wein, Brot und Oliven als Inbegriff italienischer Lebensart natürlich nicht fehlen. Der Eintritt kostet acht Euro, Karten gibt es bereits im Vorverkauf in der Stadtbibliothek.
Festkonzert
Rund 140 junge Musiker/-innen sowie drei Solisten gestalten am Samstag, 20. Mai, um 19 Uhr das Festkonzert „35 Jahre Städtepartnerschaften Klosterneuburg - Göppingen - Foggia“ in der Oberhofenkirche. Dargeboten wird ein farbiges Programm klassischer Musik, das von Wolfgang Amadeus Mozart über Giuseppe Verdi bis hin zu Benjamin Britten reicht. Das Göppinger Jugendsinfonieorchester unter Martin Gunkel wird die Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals“ von Giuseppe Verdi zu Gehör bringen sowie die Gastsolistin Rosa Ricciotti (Sopran) aus Foggia begleiten bei den Arien „Addio del passato“ aus der Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi und der Carmen-Arie “L´amour est un oiseau rebelle” von George Bizet. Rosa Ricciotti ist eine prominente Opernsängerin, die an den großen Opernhäusern Italiens von Rom bis Venedig mit herausragenden Rollen singt und auch schon im Vatikan vor Papst Johannes Paul II. konzertiert hat. Als weitere Solisten wird das Jugendsinfonieorchester zwei Bundespreisträger der Klosterneuburger Musikschule begleiten: Die dreizehnjährige Cristina Basili trägt die „Ballade g-moll op. 25“ für Violoncello und Orchester des russischen Komponisten Davidoff vor, der vierzehnjährige Robin Rydholm präsentiert das Querflötensolo „Galopp brillante op. 250“ von Guillaume Popp. Die erst vor zwei Jahren gegründete „Junge Sinfonie Klosterneuburg“, ein Orchester der Musikschule Klosterneuburg, beweist unter der Leitung von Snezana Kis und Wladimir Kossjanenko ihr Können mit der Ouvertüre zur Oper „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart, der „Simple Symphonie“ von Benjamin Britten und dem „Slawischen Tanz g-moll“ von Antonin Dvorak. Der Besuch in Göppingen ist die erste Auslandsreise des Orchesters. Untergebracht sind die rund 40 jugendlichen Musiker der Musikschule Klosterneuburg in Gastfamilien des Göppinger Jugendsinfonieorchesters. Vereint im “Gemeinsamen Jugendsinfonieorchester Klosterneuburg-Göppingen“ werden die rund 140 Musikschüler der Partnerstädte das Festkonzert feierlich zum Abschluss bringen mit dem „Ungarischen Tanz g-moll“ von Johannes Brahms und dem Marsch D-Dur op. 93 aus „Pomp and Circumstance“ von Edvard Elgar.
Vorträge und Workshops
Unter dem Titel „Mit Maultier und Kamera durch Unteritalien – Auf den Spuren von Arthur Haseloff und Martin Wackernagel“ beleuchtet am Montag, 15. Mai, um 19:30 Uhr im Klosterneuburgsaal der Stadthalle Prof. Dr. Uwe Albrecht vom Kulturhistorischen Institut der Universität Kiel die literarischen und fotografischen Bezüge Haseloffs zu Süditalien. Sein 1920 erschienenes Werk über verschiedene staufische Bauten in Süditalien wurde über 70 Jahre später von Professor Leopoldo Bibbò ins Italienische übersetzt, der im Anschluss an den Vortrag über seine Begegnung mit dem Werk Arthur Haseloffs berichten wird.
Der „schwarzen Kunst“ des Scherenschnitts widmen Christl und Fritz Chlebecek, Direktor des Museums Kierling/Klosterneuburg, ihren Vortrag bei der Volkshochschule Göppingen, Mörikestraße 16, am Dienstag, 23. Mai, um 19:30 Uhr. In Wort und Bild/Dias werden sie, in launiger Weise und mit niederösterreichischem Charme, die verschiedenen Techniken und Anwendungsbeispiele der Scherenschnittkunst vorstellen.
Selber ans Werk gehen können die Teilnehmer/-innen zweier Scherenschnitt-Workshops am Mittwoch, 24. Mai. Von 9 bis 11 Uhr sind im VHS-Haus die Kinder von acht bis zwölf Jahren aufgefordert, die Schneidwerkzeuge in die Hand zu nehmen und zu erfahren, welche Fingerfertigkeiten für diese Kunst erforderlich sind. Von 19 bis 21:15 Uhr sind dann die Erwachsenen gefordert. Von niemanden wird erwartet, auf Anhieb Schnitte à la Josefine Allmayer zu machen – aber vielleicht entstehen per Scherenschnitt weitere Freundschaften zwischen Klosterneuburg und Göppingen.