Städtisches Verwaltungszentrum

Realisierungswettbewerb entschieden

Oliver Braun, einer der Inhaber des Architekturbüros Ackermann und Raff, erläutert den Entwurf anhand eines Modells

Zum zweiten Mal tagte das Preisgericht zum Realisierungswettbewerb im Februar 2016 für das städtische Verwaltungszentrum im Märklin-Saal der Stadthalle. Das erneute Zusammenkommen war notwendig, nachdem bei einer ersten Abstimmung kurz vor Weihnachten  gleich vier zweite Plätze vergeben wurden, die nachbearbeitet werden sollten. Knapp 30 Entwürfe wurden damals gesichtet. Das Votum beim erneuten Zusammenkommen der zwölf Fach- und elf Sachpreisrichter war eindeutig. Nach fast zehn Stunden Beratungen kürte das Preisgericht den Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Ackermann und Raff einstimmig zum Sieger. „Gegen 19:30 Uhr stieg weißer Rauch auf“, scherzte Oberbürgermeister Guido Till bei einer Pressekonferenz, die am darauffolgenden Tag im Atrium des Rathauses stattfand. Das Stadtoberhaupt zeigte sich sehr zufrieden über das klare Votum und lobte den Entwurf als „absolut stimmig und durchdacht“. Auch Baubürgermeister Helmut Renftle schlug in die gleiche Kerbe ein: „Die Gestaltung des Gebäudes ist zeitlos, kundenfreundlich und greift gleichzeitig die Industriegeschichte unserer Stadt auf“.

Der Entwurf von Ackermann und Raff stellt das städtische Verwaltungszentrum als langestreckten, fünfgeschossigen und barrierefreien Bau mit Klinkerfassade dar, an dessen Seite eine Rad- und Fußwegpromenade in Richtung Jebenhäuser Brücke führt. Der eingeschnittene Eingang des Gebäudes soll sich großzügig zur neu gestalteten Stadtpromenade neben dem Bahnhofsplatz öffnen. Von der Eingangshalle, die als Hochparterre-Geschoss vorgesehen ist, wird das Gebäude über zwei schmale und lange Treppenfugen in Höhe und Länge erschlossen.

Der Entwurf

Typ Name Datum Größe
pdf SVZ Göppingen.pdf 15.03.2016 4,2 MB

Wettbewerbsjury kürt die Sieger

In einer Pressekonferenz Mitte Dezember 2015 wurden die Ergebnisse der Preisgerichtssitzung zum Realisierungswettbewerb des Städtischen Verwaltungszentrums am Bahnhof bekannt gegeben. Das Preisgericht, bestehend aus zwölf Fach- und elf Sachpreisrichtern, bestimmte keinen Gewinner, sondern gab bekannt, dass unter 27 eingegangenen Arbeiten vier Mal der 2. Preis vergeben wurde. „Ich hatte mir nicht vorgestellt, einen solchen Luxus bei der Wahl des Entwurfes vorzufinden“, lobte Oberbürgermeister Guido Till die Architekten. Alle 27 lieferten sehr gute Arbeiten ab und auch Wettbewerbsbetreuer Gerd Grohe aus Stuttgart zeigte sich begeistert von der Qualität der Entwürfe. In einer Sitzung, die von 9 bis 21 Uhr andauerte, wurden nach einem Informationsrundgang im 1. Wertungsrundgang neun Arbeiten einstimmig ausgeschieden. Im 2. Rundgang wurden durch Mehrheitsbeschluss 13 weitere Arbeiten ausgeschieden. Aus den übrigen acht wurde eine Rangliste erstellt – die ersten vier Plätze erhalten den 2. Preis und ein Preisgeld in Höhe von jeweils 23.000 Euro, die anderen vier erhalten eine Anerkennung in Höhe von je 8.250 Euro. 

Bürgerservice wird gestärkt

Bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen beschloss der Gemeinderat im Februar 2017 mit großer Mehrheit den Bau eines städtischen Verwaltungszentrums am Bahnhof. Oberbürgermeister Guido Till hatte zuvor noch einmal die große Bedeutung des Projekts sowohl für den Bürgerservice wie auch für die städtebauliche Entwicklung hervorgehoben.

Damit wurde der im breiten Konsens gegangene Weg zur Verbesserung der Kundenorientierung und des Bürgerservices fortzusetzen. „Wir wollen die bislang auf fünf verschiedene Standorte verteilten Dienststellen für die Bürgerinnen und Bürger an einem zentralen, mit allen Verkehrsmitteln bestens erreichbaren Ort zusammenfassen“, unterstrich das Stadtoberhaupt. „Wir wollen den durchschnittlich jeweils knapp 100 Besucherinnen und Besuchern, die jeden Arbeitstag sowohl in die Kirchstraße/Schulstraße wie auch in die Friedrichstraße kommen, einen barrierefreien Zugang ermöglichen – die alten, ursprünglich als Wohnungen errichteten Gebäude können Barrierefreiheit nicht bieten.“ Das seien, beispielsweise bei 20.000 Kundenkontakten pro Jahr allein bei der Ausländerbehörde in der Friedrichstraße, keine dauerhaft hinnehmbare Bedingungen. „Bereits im Juli 2014 waren wir uns daher mit breiter Mehrheit einig, ein zweites Verwaltungszentrum zu bauen – die Modernisierung der Bestandsgebäude würde, wie seinerzeit ausführlich dargelegt, ebenso teuer kommen“, erinnerte Till. „Und diese ebenso hohen Sanierungskosten würden zu keiner kundenfreundlichen Bündelung an einem Ort führen; sie würden zu keiner Optimierung der inneren Arbeitsabläufe führen; sie würden die Betriebs- und Folgekosten nicht günstiger gestalten; und sie würden nicht zu modernen Arbeitsplätzen führen, die wir im Wettbewerb um kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen – angesichts der Tarifgebundenheit können wir nicht mit höherem Gehalt, wohl aber mit einem attraktiven Arbeitsumfeld punkten.“

Ein Verbleib an den bisherigen Standorten würde auch zu keinerlei städtebaulichen Impulse führen, weder für das Sanierungsgebiet Bahnhofumfeld, noch für das Wohnen in der Innenstadt. „Wohnen in der Innenstadt ist wieder ein wichtiges Thema geworden. Es liegt im Trend der Nachfrage, und es steht im absoluten Einklang mit dem Ziel einer lebendigen, attraktiven Innenstadt“, unterstrich OB Till. Die Häuser in der Kirch-/Schulstraße, in der Pfarrstraße und in der Friedrichstraße waren ursprünglich zu Wohnzwecken errichtet und sind im Prinzip heute noch wie Wohngebäude zugeschnitten. Diese Flächen wieder für das innerstädtische Wohnen frei zu bekommen, ist eine großartige Chance für unsere Innenstadt, die wir nicht verstreichen lassen sollten.“ Und das Sanierungsgebiet Bahnhofumfeld setze die gemeinsame kontinuierliche Aufwertung der Innenstadt im südlichen Bereich fort: „Wir geben dem Bahnhofplatz an seiner westlichen Seite ein architektonisch ansprechendes hochwertiges Gesicht. Zugleich bildet das Gebäude eine charakteristische Raumkante, eine echte Stadtsilhouette zu den Bahngleisen. Es belebt mit seinen Arbeitsplätzen und vor allem mit seiner hohen Kundenfrequenz den südlichen Innenstadtbereich und sorgt damit für zusätzliche Besucherströme in der City.“

Der Rathauschef sah das Projekt auch planmäßig durchfinanziert und zitierte aus dem Erlass des Regierungspräsidiums zum diesjährigen Etat: „Mit dem Haushaltsplan 2017 und der Finanzplanung 2018 bis 2020 haben Verwaltung und Gemeinderat der Stadt Göppingen ein solides Finanzkonzept erarbeitet, mit welchem das weitgefächerte Leistungsspektrum im Rahmen einer geordneten Haushaltswirtschaft finanziert und die kommunale Infrastruktur schwungvoll weiterentwickelt werden kann.“ Im Budget von 25 Millionen Euro für das Verwaltungsgebäude seien für Preissteigerungen während der Bauzeit, ebenso wie bei der Erweiterung des Landratsamtes, fünf Prozent eingestellt; für Unvorhergesehenes seien es zehn Prozent gegenüber 1,8 Prozent bei der Landratsamts-Erweiterung. Bei der Vergabe der ersten Arbeiten nach der Sommerpause werde für 26 Prozent der Leistungen Kostensicherheit bestehen; weitere 43 Prozent würden bis dahin kostenmäßig konkretisiert und projektiert sein. Dann bestünde immer noch die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen.

Die Baukosten standen dennoch im Mittelpunkt der Diskussion. Stadtrat Christian Stähle (LiPi) als erster Redner stellte zudem den Standort in Frage und meinte, bei Verkauf der Bahnhoffläche sei ein Verwaltungsgebäude auf dem Boehringer-Areal quasi umsonst, für maximal ein bis zwei Milliönchen, zu errichten. Zuvor hatte Baubürgermeister Helmut Renftle ausführlich dargelegt, warum das Boehringer-Areal nicht in Frage komme: -die Erreichbarkeit für die Bürger/-innen sei nicht so gut wie am Bahnhof, -die städtebaulichen Impulse würden verloren gehen, -und die auf dem Boehringer-Areal anzusiedelnden Gewerbebetriebe würden die möglichen Büroflächen ebenfalls benötigen.
Für einen Teil der SPD-Fraktion signalisierte Stadtrat Klaus Wiesenborn Zustimmung und verwies auf die Chance, 100 neue Wohneinheiten im Kunsthallen-Umfeld inklusive bisherigen Technischen Rathaus schaffen zu können. Seine Fraktionskollegin Stadträtin Heidrun Schellong hingegen begründete ihre Ablehnung mit wichtigeren Projekten. Für die CDU signalisierte Stadtrat Felix Gerber Zustimmung angesichts der Bündelung der Dienststellen, der guten Erreichbarkeit und der städtebaulichen Chancen. Für die Umsetzung des ursprünglichen Wettbewerbsergebnisses und für eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung des Gebäudes plädierte für die Grünen Stadtrat Christoph Weber. Angesichts bleibender Ängste bezüglich der Kosten quäle sich seine Fraktion zur Zustimmung, bekannte Stadtrat Wolfgang Berge (FWG). Stadträtin Susanne Weiß (FDW+FW) erinnerte an die große Zustimmung im März 2016 und sprach sich gegen Stolpersteine beim Projektfortgang aus. Nach dem erfolgten Baubeschluss wird die Baugenehmigung bis Juni 2017 erwartet. Der Baubeginn ist, nach entsprechender Ausschreibung und Vergabe, für November 2017 vorgesehen. Bei einer Bauzeit von 22 Monaten soll das Gebäude im September 2019 fertig gestellt sein. Die Schlussrechnung muss, um die staatlichen Fördermittel nicht zu gefährden, bis Ende April 2020 erstellt sein.

Das städtische Verwaltungszentrum wird in einem etwa 20 Meter breiten und 95 Meter langen Gebäude mit Untergeschoss, Erdgeschoss und vier Obergeschossen untergebracht. Der Haupteingang des städtischen Verwaltungsgebäudes liegt am Kopfende in Richtung Bahnhofplatz, ist aber auch vom Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) gut sichtbar. Für die Ausländerbehörde wird ein eigener Eingang an der Stadtpromenade geschaffen, um bei hohem Besucherandrang die Wege zu entflechten. Die bürgernahen Referate mit hohem Kundenverkehr werden im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss angeordnet. Im 4. OG befindet sich ein Konferenzbereich mit zwei zusammenschaltbaren Konferenzräumen, einem großen Foyer und einer Dachterrasse. Dieser Bereich kann über einen separaten Zugang erschlossen werden; eine externe Vermietung ist somit möglich. In der Tiefgarage des Gebäudes sind 21 Stellplätze für Dienstfahrzeuge und zwei Behindertenstellplätze sowie 32 Fahrradstellplätze und zehn E-Bike-Stellplätze vorgesehen. Weitere überdachte Fahrradstellplätze sind südlich des Verwaltungsgebäudes vorgesehen; die mit dem Auto zur Arbeit fahrenden Mitarbeiter/-innen sollen Stellplätze im neu errichteten Parkhaus an der Jahnstraße zugewiesen bekommen.

Durch eine dreigeschossige Fuge mit dem städtischen Verwaltungszentrum verbunden schließt sich ein privat errichtetes Gebäude für ein privates Reha-Zentrum an, so dass das Gebäude insgesamt etwa 130 Meter lang wird, durch die Gliederung aber wie eine Häuserzeile wirkt.

Bisherige Beschlüsse:

- Am 24. Juli 2014 erfuhr der Standort Güterhalle am Bahnhof bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen eine breite Zustimmung, nachdem in gleicher Sitzung im Tagesordnungspunkt zuvor die alternativen Varianten Modernisierungen im Bestand oder Ausbau des Technischen Rathauses verworfen wurden.
- Am 18. Dezember 2014 beauftragte der Gemeinderat das Büro kohler grohe aus Stuttgart bei zwei Gegenstimmen mit der weiteren Prüfung.
- Am 7. Mai 2015 wurde dem Gremium die Machbarkeitsstudie vorgestellt.
- Am 9. Juli 2015 beschloss der Gemeinderat, mit großer Mehrheit bei fünf Gegenstimmen und drei Enthaltungen, den Architekten-Wettbewerb und fasste den Grundsatzbeschluss für ein Verwaltungszentrum am Bahnhof.
- Am 17. März 2016 fiel der Planungsbeschluss ebenfalls mit großer Mehrheit, bei vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen.
- Am 9. Februar 2017 folgte der Baubeschluss mit breiter Mehrheit, bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

  

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