Ehrenbürger

Gemeinden und Städte haben verschiedene Möglichkeiten, besonders herausragende Leistungen einzelner Bürger für das Gemeinwesen zu würdigen. Die höchste Auszeichnung, die eine Kommune hierbei verleihen kann, ist die Ehrenbürgerwürde. 

Inge Auerbacher

Inge Auerbacher kam am 31. Dezember 1934 im badischen Kippenheim zur Welt. Die Familie kehrte 1939 zu den Großeltern nach Jebenhausen zurück, wo die Familie Lauchheimer seit 1777 lebte. Zuletzt wohnte die Familie zwangsweise in einem sogenannten Judenhaus in der Göppinger Metzgerstraße. Von dort wurde Inge Auerbacher im August 1942 als siebenjähriges Mädchen mit ihren Eltern in das KZ Theresienstadt deportiert. Inge Auerbacher hatte das Glück, das Lager zu überleben und gehört zu den nur noch wenigen Überlebenden der ehemaligen Jüdischen Gemeinde Göppingen. Heute lebt die 86-jährige Inge Auerbacher in New York.

In ihrem Lebenslauf spiegeln sich in besonderer Weise die selbst erlebte Verfolgung und geplante Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus wider. Diese Erlebnisse führten Inge Auerbacher zu der selbstgestellten Aufgabe, das Wissen um die NS-Verbrechen weiterzugeben und sich für Toleranz und Respekt zwischen den Religionen und Völkern einzusetzen. Ein wichtiger Beitrag war hierfür ihr erstes Buch „I am a star“, das 1986 in den USA erschien und 1990 schließlich in deutscher Ausgabe als „Ich bin ein Stern“ Bekanntheit erlangte. Es wurde danach in weitere Sprachen übersetzt. Das in erster Linie für Jugendliche verfasste Buch fand große Resonanz und wird heute in der Gedenkstättenpädagogik und politischen Bildungsarbeit in Deutschland häufig eingesetzt. Danach schrieb sie weitere Bücher, die sich stets um das Thema des friedlichen Zusammenlebens von Menschen verschiedener Kulturen drehten. Neben der schriftstellerischen Tätigkeit stellte sich Inge Auerbacher die Aufgabe, als Überlebende des Holocaust vor allem die Jugend über die verbrecherische NS-Politik am Beispiel ihres Schicksals zu informieren. In Amerika und in Deutschland besuchte sie regelmäßig Schulen, so auch in den letzten Jahren mehrfach in Göppingen, um mit den jungen Menschen zu sprechen. Von ihren Besuchen in Göppingen sind besonders bemerkenswert:

  • Ihre Teilnahme mit ihrer Mutter an der erstmaligen und einzigen Einladung ehemaliger jüdischer Bürger durch die Stadt im Jahr 1984.
  • Ihre Gedenkrede am Synagogenplatz im Jahr 1988 zum 50. Jahrestag der Zerstörung der Synagoge. Von dieser Veranstaltung ging eine Initialzündung aus, denn seither findet jährlich eine Gedenkfeier statt. Außerdem entstand im Kontext dieses Besuchs der Film  „Alle Juden raus! – Nationalsozialismus in einer süddeutschen Kleinstadt“ (Göppingen). Dieser Film und ihr Buch „Ich bin ein Stern“ gehören heute zu den wichtigen pädagogischen Medien, die im Schulunterricht und in der Arbeit des Jüdischen Museums eingesetzt werden.
  • Ihr Besuch bei der Stolperstein-Verlegung vor dem Haus Lauchheimer in Jebenhausen im Jahr 2007.
  • Ihre Rede im August 2012 an der Gedenkstätte Nordbahnhof in Stuttgart, von wo sie mit ihren Eltern 70 Jahre zuvor in den Deportationszug nach Theresienstadt einsteigen musste.
  • Ihr Besuch und Bericht zur Eröffnung der Anne-Frank-Ausstellung in der Stadtkirche im Oktober 2016.
  • Vortrag der inzwischen 83-Jährigen im Oktober 2018 bei der Freien Waldorfschule Filstal in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Göppingen, gefördert aus dem Fond des Bundesprogramms „Demokratie Leben“.

Mit ihrem Wirken hat sich Inge Auerbacher einen Namen als Botschafterin der Versöhnung, Toleranz und Menschlichkeit gemacht. Für ihre Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen: die Ellis Island Medal of Honour (1999), den Louis E. Yavner Citizen Award (1999), die Ehrendoktorwürde Doctor of Humane Letters honoris causa der Long Island University Brooklyn (2005). Ihr Geburtsort Kippenheim lobte den Inge-Auerbacher-Preis aus, der an Studenten und Institutionen vergeben wird, die sich für Toleranz und Menschenrechte einsetzen. Sie wurde mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg und dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt; außerdem erhielt sie 2013 die Ehrenplakette der Stadt Göppingen.

Hans Haller
Oberbürgermeister a.D. Hans Haller war Göppingens Oberbürgermeister von 1981 bis 1997. In den 16 Jahren seiner Amtszeit hat sich die Stadt verändert. Auf vielen Gebieten sind Einrichtungen geschaffen worden, wie zum Beispiel die städtische Galerie und das Alte E-Werk. Mit der Fachhochschul-Außenstelle wurde Göppingen zur Hochschulstadt. Hans Haller trat nach diesen zwei Amtsperioden in den Ruhestand.
Eckpunkte seiner Amtszeit:
1982 Einweihung Kulturhaus Illig
1984 Baubeginn Gewerbepark Göppingen-Voralb
1986 Göppingen erhält von Ministerpräsident Lothar Späth die feste Zusage für die Fachhochschul-Außenstelle; Göppingen wird zur Hochschulstadt
1987 Beginn der Sanierung Karlstraßen
1989 Die Galerie am Nordring wird offiziell eröffnet
1990 Städtepartnerschaft zu Sonneberg
1991 Der Zentrale Omnibusbahnhof wird in Betrieb genommen
1992 Standort Göppingen der US-Army wird endgültig geschlossen. 1996 erwirbt die Stadt das Gelände.
1992 Einweihung jüdisches Museum Jebenhausen
1993 Einweihung Altes E-Werk
1994 Wettbewerb zur Bebauung des ehemaligen Flugplatzgeländes wird ausgeschrieben.
1996 Schillerplatzsanierung
In den Stadtbezirken:
Sanierung Altes Rathaus Faurndau und Bau des Bezirksamtes Hohenstaufen.

Dr. Friedrich von Hartmann (1767-1851)
Mediziner und Naturforscher
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1842


Als "Stadt- und Amts-Practikus" arbeitete Dr. Hartmann seit 1792 als Arzt in Göppingen. Bereits kurze Zeit später hatte er seine größte Bewährungsprobe zu überstehen, als russische Kriegsgefangene eine Typhusepidemie nach Göppingen einschleppten und der mehrere hundert russische Soldaten zum Opfer fielen.

In der Folgezeit wurde er zum Vorkämpfer für die Errichtung eines Krankenhauses, das schließlich 1829 eröffnete.

Doch nicht nur als Mediziner, sondern auch als Naturforscher machte sich Dr. Hartmann einen Namen. Seine Fossilienfunde gelangten u.a. in die wissenschaftlichen Sammlungen der Universitäten von London, Leyden und Tübingen sowie ins Naturalienkabinett in Stuttgart. So sind nach ihm gleich zwei Versteinerungen benannt; die Steckmuschel Pinna hartmanni und der Krebs Proeryon hartmanni.

Johannes Betz (1784-1881)
Schulmeister und Vorkämpfer der Demokratie
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1850


Als Schulmeister war Johannes Betz außerordentlich beliebt. Über 53 Jahre unterrichtete er an der Göppinger Knabenschule, sodass ihm zum 44. Dienstjubiläum die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde.

Daneben interessierte er sich stark für die neuen gesellschaftlichen Ideale der Französischen Revolution, die für ihn einig Vaterland, Freiheit und Demokratie bedeuteten. So überraschte es nicht, dass er als Wortführer der 1848er Demokratiebewegung agierte, und die Zurückdrängung der März-Errungenschaften mit Entsetzen verfolgte.

Die Betzstraße im Südosten Göppingens hält die Erinnerung an den aufrechten Demokraten im Alltag lebendig.

Johann Friedrich Rumpp (1799-1891)
Realschullehrer und Förderer des Chorgesangs
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1864


Der Gemeinderat nahm die 40-jährige Amtszeit des Reallehrers für die Auszeichnung zum Anlass. Auf diese Weise wurde Rumpps Verdienste im Aufbau und der Fortentwicklung eines neuen Schultyps ausgezeichnet.

Zugleich ging von ihm der Anstoss zur Gründung eines Gesangvereins aus. So rief er 1826 den Liederkranz ins Leben, der eine neue Art des Unterhaltungs- und Freizeitvereins darstellte. Bis 1840 war er der erste Dirigent dieses Göppinger Liederkranzes.

Christian Seefrid (1814-1881)
Rechtsanwalt, Stadtschultheiß und Landtagsabgeordneter
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1875


Als Verfechter demokratischer Ideen verband Seefrid eine enge Freundschaft zu Johannes Betz. Am 26. März 1848 rief er als Abgeordneter zu einer großen Volksversammlung auf, die mehrere Tausend Leute auf den Göppinger Marktplatz strömen ließ. Ziel war die Gründung von sogenannten Vaterländischen Vereinen, die sich aller Fragen des Volkes betreffend, widmen sollten. Aus diesen Vereinen entstand schließlich die Volkspartei, sodass die liberale Bewegung in Württemberg von Göppinger Boden ausging.

Sefrid vertrat den Bezirk Göppingen auch als Abgeordneter im Landtag, bevor er 1858 zum Schultheiß von Göppingen wurde, ein Amt, das er bis zu seinem Tode am 3. Oktober 1881 inne hatte.

Im Wohngebiet Hailing ist eine Straße nach ihm benannt. 

Christian Rudolf Beckh (1804-1886)
Fabrikant und Mäzen
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1881


Am 25. August 1881 beschloss der Gemeinderat das Ehrenbürgerrecht zu verleihen, da "der Jubilar seine bekannte Mildthätigkeit in so mannigfacher Weise auch hiesigen öffentlichen Anstalten und vielen Privatpersonen habe zu Theil werden lassen." So hatte Beckh u.a. für seine Arbeiter eine Fabrik- und Unterstützungskasse errichtet, er ließ Arbeiterwohnungen bauen und übergab leitenden Angestellten seiner Papierfabrik in Faurndau Geldgeschenke aus erwirtschafteten Gewinnen. Zudem förderte er die Verschönerung der Stiftskirche sowie die Verbesserung des Schulwesens in seiner Heimatgemeinde.

In Faurndau erinnert noch heute die Beckhstraße an die große Unternehmerpersönlichkeit.

Gottlob Friedrich Allinger (1851-1910)
Polizeikomissär und Stadtschultheiß
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1908


Gottlob Friedrich Allinger übernahm nach dem Tod seines Vorgängers Christian Seefrid das Amt des Schultheißes. Längst war eine Zeit des Umbruchs angebrochen, als durch den Eisenbahnanschluss und die zahlreichen Fabrikgründungen die Weichen zur Industriestadt gestellt wurden. Damals schnellte die Einwohnerzahl Göppingens von 10.000 im Jahre 1880 auf über 20.000 um die Jahrhundertwende. So musste Allinger vor allem die Infrastruktur der Stadt voranbringen, wozu auch der Bau einer zentralen Wasserversorgungsanklage gehörte. 1900 wurde das Elektrizitätswerk eröffnet und 1903 das Gaswerk in städtischer Regie übernommen. In seine Amtszeit fiel zudem die Erschließung neuer Wohngebiete, hier vor allem nördlich der Altstadt zwischen Burg- und Nördlicher Ringstraße, und die Anlage des neuen Friedhofs an der Hohenstaufenstraße. Auch den Erwerb des Oberholzes als städtisches Naherholungsgebiet konnte er gegen Ende seiner Amtszeit noch verwirklichen.

Christian Eberhard (1886-1973)
Ratschreiber und Oberbürgermeister
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1954


Als ein Mann der Stunde Null, in der es darum ging einen demokratischen Neuanfang nach 1945 zu meistern, wurde Christian Eberhard als einzigstes Nicht-Parteimitglied der Stadtverwaltung vom alliierten Militärkommandanten zum Kommissarischen Bürgermeister ernannt. Dabei stand er vor großen Aufgaben, musste doch zunächst die Wasser,- Gas- und Stromversorgung im kriegszerstörten Göppingen wiederhergestellt werden. Auch die mangelhafte Ernährungslage und die durch den Luftangriff hervorgerufenen Wohnungsnot waren ein Problem. Sie und die Lebensmittelverknappung wurden durch die Aufnahme von rund 2.000 Evakuierten und die Zuwanderung von rund 12.000 Vertriebenen und Flüchtlingen verschlimmert.

Als Eberhard 1954 in den Ruhestand trat, konnte er auf eine erfolgreiche Aufbauleistung zurückblicken: Die Wohnungs- und Schulraumnot waren weitgehend beseitigt, und auch der kulturelle Sektor blühte durch die Eröffnung des "Storchen" und der Volkshochschule neu auf.

Dr. Alfred Schwab (1912-2002)
Jurist und Bürgermeister
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1981


1946 wurde Dr. Schwab zum Bürgermeister gewählt und danach drei weitere Mal in diesem Amt bestätigt. Zu seinen Geschäftsbereichen gehörte das Resort "Soziales und Kultur", wo er deutlich Akzente setzte. So rief er die "Gemeinnützige Wohnungshilfe Göppingen" ins Leben, die an die bürgerliche Solidarität bei der Bekämpfung der Wohnungsnot appellierte. In besonderer Weise setzte er sich für den Auf- und Ausbau der Mütterschule, dem späteren Haus der Familie, und den Bau von Pflege- und Altenheimen ein. Im Kulturbereich ist mit seinem Namen die Schaffung eines städtischen Kulturamtes mit Zuständigkeit für die Volkshochschule, die hauptamtliche Besetzung des Archivs und die Entwicklung der Stadthalle.

Dr. Herbert König (1912-1992)
Jurist und Oberbürgermeister
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 1981


Als Regierungsrat und Stellvertreter des Landrats schaffte Dr. König 1954 den Sprung ins Göppinger Rathaus. Zu den hervorhebenden Leistungen seiner Amtszeit gehören in erster Linie der Ausbau der Schul,- Sport- und Kulturstätten. Gleich zu Amtsbeginn konnte er 1955 die neue Stadthalle einweihen, 1964 folgte das neue Hallenbad, drei Jahre später die Hohenstaufenhalle. Im Stadtbild setzten Allianz- und Panoramahochhaus sowie das Staufen-Center neue Akzente. Der Schaffung weiterer Wohnungen diente die Entwicklung Ursenwangs. In die Amtszeit von Dr. König fiel die Verwaltungs- und Gbietsreform, in deren Gefolge Bartenbach, Bezgenriet, Hohenstaufen, Maitis und Lenglingen sowie zuletzt Faurndau nach Göppingen eingemeindet wurden.

Eine besondere Aufmerksamkeit widmete er der Erforschung und Vermittlung der Stadtgeschichte und der staufischen Vergangenheit Göppingens. So gab er den Impuls zur Neubelebung des Göppinger Maientags. 1971 wurden die Städtepartnerschaften mit Foggia und Klosterneuburg geschlossen, während die Übernahme einer Patenschaft für die Vertriebenen aus dem Schönhengstgau schon 1955 erfolgte.

Dr. Heinrich Zeller (1921-2015)
Mediziner
Verleihung der Ehrenbürgerwürde: 2001


Dr. Zeller war ehrenamtlicher Heimarzt im Seniorenzentrum St. Martinus tätig, wo er selbst den Notdienst übernahm. Auch als Gründungs- und Vorstandsmitglied der Stiftung St. Stephanus war er stets aktiv. Doch besonders die Entwicklung der Jugend und der Gemeinschaft lagen ihm am Herzen. So war er 15 Jahre lang Jugendleiter bei FrischAuf Göppingen und Vorsitzender im Förderverein der FrischAuf-Jugend. Unter seiner Regie wurde das FrischAuf-Stadion, das neue Vereinsheim, die Tennis- und die Judohalle gebaut. Doch sein Engagement im Sport ging weit darüber hinaus: So war er auf Kreisebene Mitglied im Kreisvorstand der Deutsch-Olympischen Gesellschaft, auf Landesebene Mitglied im Landesvorstand der Württembergischen Sportjugend und auf Bundesebene Bundesjugendwart der deutschen Handball-Nationalmannschaft.

Nicht nur dem Sport, sondern auch den Lions und der Völkerverständigung galt sein ehrenamtliches Handeln. So gehörte er bei den Göppinger Lions zu den Gründungsmitliedern, wie er auch Mitglied im Deutsch-Amerikanischen Ausschuss war.

  

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