Hans Seyff (1440-1518)

Um 1440 wurde Hans Seyff als Leibeigener der Grafen von Württemberg in Göppingen geboren. Sein Werdegang vom Bader zum Leibarzt zeigt die Möglichkeiten für einen gesellschaftlichen Aufstieg zu Beginn der Neuzeit.

1461 wurde Hans Seyff von Graf Ulrich V. mit der Badstube an der Probstei und an der Gasse zum Neuen Tor belehnt. Vom Betreiber dieser Badstube, der Bäder verabreichte, zur Ader ließ und Haare schnitt, qualifizierte sich Hans Seyff zum Scherer und Wundarzt. Wie er das „Handwerk“ des Chirurgen sowie Lesen, Schreiben und Latein erlernt hat, ist nicht bekannt. Doch aus zwei Handschriften aus seiner Feder weiß man, dass er die chirurgischen Schriften der klassischen Autoren rezipiert und niedergeschrieben hat. Er hat sich also wie die an Universitäten ausgebildeten Ärzte, die Physici, sein Wissen auch aus Büchern erworben und nicht wie damals bei den Wundärzten üblich durch mündliches Anleiten und Praxiserfahrung. Sein Ruf trug ihm 1481 die Berufung zum Münchner Stadtwundarzt und Leibarzt Herzog Albrechts IV. ein. Er zog mit der Familie nach München, auch in der Hoffnung, dass der Fürst ihn von der Leibeigenschaft freikaufen würde. Als dies nicht geschah, zog er sich wieder nach Göppingen zurück.

Er kämpfte um seine gesellschaftliche Anerkennung, dank seiner ausgezeichneten chirurgischen Fertigkeiten und adeliger Patienten erhielt er diese auch.

So wurde er beispielsweise 1493 nach Linz gerufen, um als „leitender“ Wundarzt eine Beinamputation bei Kaiser Friedrich III. durchzuführen. Die vor dem Hofstaat durchgeführte Operation gelang, doch der greise Kaiser starb noch im selben Jahr an einem Schlaganfall.

Um 1518 starb Hans Seyff in Göppingen als wohlhabender Mann.