Als Soldat im Ersten Weltkrieg - Aus den Kriegstagebüchern des Göppingers Paul Engel

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Im Jahr 2014 wurde der 100-jährige Gedenktag an den Ausbruch des ersten global eskalierten Konflikts begangen. Im kommenden Jahr 2018 folgt dann das 100-jährige Gedenken an das Ende des Ersten Weltkrieges. Kriegsausbruch und -verlauf stellten ein beispielloses Versagen der Diplomatie und der Menschenachtung dar. Noch nie gab es bis zu diesem Ereignis so viele Kriegsopfer. Ebenso wurde die Anwendung von modernen Massenvernichtungswaffen erprobt. Freilich, sinnlose Kriege und eine hohe Zahl an Opfern finden sich auch in anderen Geschichtsepochen, man denke hier nur vergleichbar an den Dreißigjährigen Krieg. Doch dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu solch einer Eskalation kommen konnte, in der man Soldaten als menschliches Kanonenfutter missbrauchte, war kaum vorstellbar. Für geringe Geländegewinne wurden speziell an der Westfront die Soldaten in einen verlustreichen Abnutzungskampf gezwungen, bei dem unvorstellbar viele Soldaten unterschiedlicher Nationalität durch Maschinengewehre, Granaten oder Giftgas umkamen. Am Ende gab es annähernd 17 Millionen Tote, unzählige Verletzte, psychisch Geschädigte und Zivilisten, deren Heimatorte vor allem in Frankreich und Belgien dem Erdboden gleichgemacht waren.

Kaum erklärbar, dass der Erste Weltkrieg angesichts dieser schrecklichen Auswirkungen in der gegenwärtigen Gesellschaft nur noch vereinzelt präsent ist. Vielfach erinnert man sich lediglich an den einen oder anderen Anlass des Krieges oder an die „großen Schlachten“ an der Westfront. Doch an die hohe Opferzahl und die schrecklichen Auswirkungen auf die am Krieg Beteiligten fällt meist nicht der erste Gedanke. Welche Spuren in der eigenen Lebensumgebung zu finden sind, tritt dabei noch weiter in den Hintergrund oder ist vielen nicht bekannt.

Doch wie kann es gelingen, neben den großen Schlagworten wie Schlieffen-Plan, Julikrise, Giftgaseinsatz und den Schlachten in Verdun und an der Sommé die Erlebnisse des Krieges auch in einer lokalen Perspektive greifbar werden zu lassen? Ist es möglich, den Ersten Weltkrieg aus Göppinger Sicht darzustellen?

Zeitzeugen gibt es nicht mehr: Die Soldaten, die im Krieg kämpften, sind längst gestorben. Vermutlich ist dies eine der Erklärungen, warum vielen die Kriegsgräuel weniger stark im Gedächtnis verhaftet sind, als dies vergleichbar zum Zweiten Weltkrieg der Fall ist. Dennoch bleiben oftmals Spuren erhalten, die uns als Nachkommen frühere Geschichtsereignisse erfahrbar werden lassen. Dem Stadtarchiv wurden aus Privatbesitz Tagebücher des Göppinger Soldaten Paul Engel für eine umfassende Transkriptionsarbeit überlassen. Zudem sind von derselben Person Fotoalben und Feldpostkarten erhalten geblieben. Diese authentischen Dokumente könnten vielen Lesern in eindrücklicher Weise dienlich sein, anhand des Zeitzeugenberichts ein Stück unserer Geschichte zu verstehen.

Paul Engel wurde mit 19 Jahren zum Militärdienst für das Reserve-Infanterie-Regiment 121 in Schwäbisch Gmünd einberufen. Während seiner Ausbildungszeit meldete er sich noch im Oktober desselben Jahres als Kriegsfreiwilliger zum Reserve-Regiment 122 an die Westfront, um dort für das Vaterland zu kämpfen. An ihm wird deutlich, wie tiefgreifend die nationalistische Propaganda Einfluss auf das Denken und Handeln junger Männer dieser Zeit nahm.

Mit diesem Projekt möchte sich das Stadtarchiv an alle Interessierten wenden, aus diesen persönlichen Dokumenten des Soldaten Paul Engel ein eigenes Bild davon zu gewinnen, welche Auswirkungen der Krieg auf das Leben eines Menschen hatte. Was motivierte einen jungen Mann, freiwillig Kriegsdienst zu leisten? Was bedeutete es, fernab der Heimat an der Front zu sein? Wie bewertete der Einzelne die politischen und militärischen Zwänge in der Epoche des Nationalismus? Lassen sich Ursache und Wirkung der damaligen Politik des Kaiserreichs im Leben einer einzelnen Person nachvollziehen?

Diese Fragen soll sich der Leser selbst beantworten. Im Folgenden werden die gesamten Tagebücher des Paul Engel sukzessive öffentlich lesbar sein, man erhält einen Einblick in den Kriegs- und Frontverlauf des Soldaten und in seine persönliche Gefühlswelt. Zudem, um die veröffentlichten Dokumente historisch einzuordnen, werden einige Hinweise aus der geschichtlichen Perspektive zur Erläuterung an die Hand gegeben.

Die Tagebücher sind in Originalschreibweise wiedergegeben, Ergänzungen wurden in [] Klammern hinzugefügt, teilweise sind Anmerkungen angegeben. Bei einigen, jedoch wenigen Passagen, muss aufgrund undeutlicher Schreibweise und trotz großen Kopfzerbrechens leider ein „?“ stehen bleiben.

Typ Name Datum Größe
pdf Tagebuch 1.pdf 26.10.2017 447 KB
pdf Tagebuch 2.pdf 26.10.2017 295 KB
pdf Tagebuch 3.pdf 26.10.2017 255 KB
pdf Tagebuch 4 - Briefdurchschläge.pdf 20.11.2017 236 KB
pdf Tagebuch 5.pdf 21.12.2017 378 KB
pdf Tagebuch 6.pdf 29.12.2017 270 KB

  

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