Einkaufszentrum in der Bleichstraße

In einer Sitzung konklavschen Ausmaßes wurde Ende März in der Stadthalle über die Fassade des geplanten Einkaufszentrums in der Bleichstraße entschieden. Acht Entwürfe, die von Architekturbüros aus dem gesamten Bundesgebiet eingereicht wurden, galt es zu prüfen und zu bewerten. Um kurz nach 18 Uhr verkündete das Obergutachtergremium schließlich „Habemus Fassade“.

Rund zehn Stunden beschäftigte sich das 19-köpfige Gremium unter dem Vorsitz des Stuttgarter Architekten Professor Fritz Auer mit den Entwürfen, deren Urheber aus Gründen der Neutralität und Fairness anonymisiert wurden. Um so größer war am frühen Abend die Freude, dass der Siegerentwurf nicht nur einstimmig gewählt wurde, sondern auch aus der Feder eines Göppingers stammt. Klaus von Bock, der bereits zahlreiche Bauwerke im gesamten Landkreis entworfen hat, konnte mit seiner Idee auf ganzer Linie überzeugen. Oberbürgermeister Till zeigte sich „von Stolz erfüllt“ und lobte insbesondere die „Sensibilität und Feingliedrigkeit“, mit der von Bock an das Kleid des Einkaufszentrums herangetreten sei. „Ich freue mich sehr auf die enge Zusammenarbeit und blicke der Verwirklichung mit großer Freude entgegen“, so Till. Professor Auer betonte die „Stadtbild- und Nachbarschaftsverträglichkeit“ des Entwurfs und gratulierte der Stadt und den Investoren zum Wahlausgang.

„Wenn man am Freitagabend solch einen Anruf bekommt, macht es besonders Spaß, Architekt zu sein“, zeigte sich Klaus von Bock hocherfreut über den Ausgang des Votums. Er beschrieb seinen Entwurf als „langlebig und nicht modisch“. Der von ihm favorisierte helle Jura-Kalkstein soll „eine gewisse Leichtigkeit darstellen“ und das Gebäude nicht zu dunkel färben, sollte es regnen, „was bei uns ja leider öfter vorkommt“, so von Bock augenzwinkernd.

Alle eingereichten Fassadenentwürfe waren bis zum 19. April 2013 im Atrium des Göppinger Rathauses ausgestellt.

Historie des Einkaufszentrums

Einkaufszentrum aufs Gleis gesetzt

Die Märklin-Starterpakete mit der Banderole „Pro Bleichstraße“ hatten Symbolcharakter: Mit den Unterschriften unter den städtebaulichen Vertrag in Sachen Einkaufszentrum an der Bleichstraße wurde das mit über 100 Millionen Euro veranschlagte Projekt auf das richtige Gleis gesetzt!

Oberbürgermeister Guido Till dankte allen Beteiligten für die verrichtete Schwerstarbeit sowie dem Gemeinderat für die richtige Standortentscheidung. Der Bereich Bahnhof sei zwar verlockend gewesen und hätte völlig Neues ermöglicht, wäre aber der Geschichte und Entwicklung der Stadt nicht gerecht geworden. Die Hauptlast liege nun auf den Schultern der Familie Schenavsky, die ihren guten Namen und gutes Geld einbringe, damit das Einkaufszentrums Ende 2014/Anfang 2015 eröffnet werden kann. Mit der jetzt vorhandenen Planungssicherheit habe der örtliche Einzelhandel genügend Zeit, sich auf die künftige Situation einzustellen – eine Situation, von der die ganze Innenstadt, nicht zuletzt auf Grund der Anbindung via Apostelareal, profitieren werde. Wie belebend eine Investition auch auf das Umfeld wirken kann, habe sich nach den Worten Tills mit dem Müller-Areal gezeigt.

Den Dank für die wirklich gute Zusammenarbeit gab Simon Schenavsky zurück und zeigte sich mit dem jetzt Erreichten sehr zufrieden, trotz aller Probleme, die jetzt schrittweise gelöst werden müssen. Jetzt gelte es, die Planungen voranzutreiben, die Bauvoranfrage einzureichen und die Befreiungen zu beantragen. Parallel würden die Grundstücksgespräche weitergeführt. Bis Ende September strebt Schenavsky eine endgültige Klärung mit den Eigentümern an. Der Fassadenwettbewerb werde noch dieses Jahr konkret; die Abbruch- und Bauaufträge müssen ebenso vorbereitet werden wie die Baustellenlogistik. Und dennoch: „Ich bin optimistisch, was die Stärkung der Göppinger Innenstadt, mit der sich meine Familie seit Mitte der 70er Jahre eng verbunden fühlt, angeht. Nun geht es volle Kraft voran“.

Nach dem Abriss des Frey-Centers soll zur Poststraße hin ein Gebäude mit drei Vollgeschossen und einer Höhe von 16,5 Metern entstehen. Kernstück des Einkaufszentrums wird eine 60 mal 20 Meter große, mit Glasdach versehene Halle. Fast alle Geschäfte sollen an diese Mall angeschlossen werden. Insgesamt werden 20.700 Quadratmeter Verkaufsfläche (ohne C+A) entstehen, davon aber nur 5.000 Quadratmeter neue Verkaufsflächen, so dass für das Apostel-Areal sowie weitere innerstädtische Entwicklungsgebiete noch ausreichend Spielraum bleibt.


Bewegung in Sachen EKZ

Bis Mittwoch vergangener Woche wurde der städtebauliche Vertrag zur Realisierung eines Einkaufzentrums (EKZ) an der Bleichstraße zwischen der Stadt sowie den beiden Investoren verhandelt, am Donnerstagvormittag ging er in die Vervielfältigung, und Donnerstagmittag lag er dem Verwaltungs- und Finanzausschuss sowie dem Ausschuss für Umwelt und Technik vor. Zwei Wochen später, am Donnerstag, 15. März, soll er abschließend im Gemeinderat behandelt werden.

Zunächst erläuterte Eva Noller, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung/Stadtplanung, die konzeptionellen Grundlagen. Das EKZ rückt näher an die Poststraße heran als das bisherige – und abzureißende – Frey-Center, so dass ein großzügiger Stadteingang entsteht. Zur Poststraße entsteht ein Gebäude mit drei Vollgeschossen und einer Höhe von 16,5 Metern gegenüber ursprünglich geplanten 22 Metern Höhe. Kernstück des EKZ wird eine 60 mal 20 Meter große, mit Glasdach versehene Halle. Alle Geschäfte sollen an diese Mall angeschlossen werden; lediglich zwei kleinere Läden können auf Grund der Höhendifferenz – die Bleichstraße verliert zwischen Post- und Geislinger Straße knapp drei Meter Höhe – nur von der Bleichstraße erschlossen werden, sorgen damit aber für eine Belebung der Straße. Insgesamt werden 20.700 Quadratmeter Verkaufsfläche (ohne C+A) entstehen, davon aber nur 5.000 Quadratmeter neue Verkaufsflächen, so dass für das Apostel-Areal sowie weitere innerstädtische Entwicklungsgebiete noch ausreichend Spielraum bleibt. Zum C+A-Gebäude – das nach derzeitigem Stand nicht einbezogen wird, aber später integriert werden kann – und zum Parkhaus hin wird eine offene Gasse für die weitere Untergliederung sorgen. Das Parkhaus entpuppte sich anschließend als Hauptkritikpunkt: Um die vom Kriterienkatalog des Gemeinderats geforderten 650 Stellplätze nachweisen zu können, soll es zwölf Geschosse, davon neun oberirdische mit einer Höhe von 30 Metern, haben. Diese Höhe liegt zwar noch unterhalb der vom Bebauungsplan zugelassenen Höhe, wurde aber von den anwesenden Ausschussmitgliedern kritisch hinterfragt bis abgelehnt. Allerdings ist diese Höhe nicht Bestandteil des Vertrags und noch nicht endverhandelt. Weiteren Diskussionsstoff lieferten die Investitionskosten für die Infrastruktur, insbesondere für die Gestaltung der angrenzenden Straßen und Plätze. Während aus den Reihen der Ausschüsse auf die im Kriterienkatalog festgeschriebene hälftige Aufteilung der Kosten hingewiesen wurde, sieht der Vertrag einen festen Kostenbeitrag der Investoren von 1,45 Millionen Euro vor. Bis zum 15. März können die Fraktionen und Einzelstadträte das umfangreiche Vertragspaket mit insgesamt zwölf, zum Teil umfangreichen, Anlagen intern beraten, ehe es in öffentlicher Gemeinderatssitzung bescheiden werden soll.


Eröffnung 2015 angepeilt

Das geplante Einkaufszentrum an der Bleichstraße ist ein gutes Stück näher gerückt: Am Freitag, 20. Januar 2012, haben die Investoren und die Stadt Göppingen den städtebaulichen Vertrag auf Grundlage des vom Gemeinderat beschlossenen Kriterienkatalogs im Großen und Ganzen endverhandelt. Nach der juristischen Feinjustierung soll das Werk im März im Kommunalparlament behandelt werden.

„Wir sind ein gutes Stück weiter gekommen“, zeigte sich Oberbürgermeister Guido Till am Freitag nach der jüngsten Verhandlungsrunde in Sachen Einkaufszentrum Bleichstraße sehr erleichtert. Die nach dem Ausstieg der Firma Sonae Sierra – als bisher dritter Partner – befürchteten deutlichen Störungen sind ausgeblieben, so das Stadtoberhaupt. Simon Schenavsky – seiner Familie gehört das Frey-Center – und Stefan Woyde von der Firma acrest property gingen sogar „von einer schnelleren Arbeit und kürzeren Entscheidungswegen“ (Schenavsky) aus. Schließlich handelt es sich bei den verbliebenen Partnern „jeweils um Inhaber geführte, ähnlich tickende Unternehmen“ (Woyde).

Im März soll der städtebauliche Vertrag dem Gemeinderat vorgelegt werden. Anschließend können, bei positivem Votum des Gremiums, die Pläne und Anträge detailliert erstellt und eingereicht, der Fassadenwettbewerb durchgeführt, Fachingenieure und Gutachter beauftragt und die Grundstücksverhandlungen geführt werden. Den Eigentümern des Kaufhof-Gebäudes, des Parkhauses, des Spielcenters sowie der Firmen Baby Walz und Schlecker liegen laut Schenavsky Kaufvertragsvorentwürfe vor. Und dann, so die einhellige Hoffnung, wird der Sanierungsdruck so groß werden, dass letztendlich auch das C+A-Gebäude einbezogen werden kann. Im Juli 2013 könnte der Abriss des Frey-Centers beginnen, im April 2015 die Eröffnung des neuen Einkaufszentrums erfolgen. Bei der Stadtverwaltung besitzt das Projekt oberste Priorität, sicherte OB Till schnelle Entscheidungen zu. 23.600 Quadratmeter Verkaufsfläche darf das Einkaufszentrum haben, rund 5.000 Quadratmeter mehr als bereits jetzt auf dem Areal zwischen Bleich-, Geislinger, Mörike- und Poststraße zugelassen sind. Sollte das C+A-Gebäude nicht einbezogen werden können, müssen dessen 2.900 Quadratmeter Verkaufsfläche von den genehmigten 23.600 Quadratmetern abgezogen werden. Elektrofachmarkt und hochwertige Textiler als Ankermieter werden flankiert von rund 70 Geschäften. Der Kriterienkatalog des Gemeinderats, das unterstrichen Schenavsky und Till eindeutig, bleibt die Richtschnur. Für hochwertige Mieter verfügt acrest property über Sachverstand und Kontakte, versicherte Woyde, der offen ließ, ob sein Unternehmen oder ein Externer das Einkaufszentrum betreiben wird – für ihn sind derzeit beide Varianten möglich.

„Das Ziel bleibt klar: Wir wollen die Einkaufsstruktur in Göppingen verbessern, aber nicht zu Lasten des bestehenden Einzelhandels“, erinnerte OB Guido Till an den ausführlich beratenden Kriterienkatalog des Gemeinderats. „Es sollen neue Anbieter kommen, die bislang fehlen und denen wir noch keine ausreichenden Flächen anbieten können.“ Für eine verträgliche fußläufige Anbindung der Bleichstraße an die Untere Marktstraße/Marktplatz soll die Entwicklung des Apostel-Areals ebenfalls vorangetrieben werden. Immerhin stehen auch nach Verwirklichung des Einkaufszentrums noch weit mehr als 7.000 Quadratmeter neue Verkaufsfläche für die Weiterentwicklung des innerstädtischen Handels zur Verfügung.


Dreier-Lösung für die Einkaufsstadt Göppingen

Grundsätzlich bestand am 26. Mai 2011 große Einigkeit im Gemeinderat über die „Dreier-Lösung“ für die Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels. In den Details allerdings schieden sich die Geister. Anträge, das Einkaufszentrum (EKZ) in der Bleichstraße nochmals zu verkleinern, scheiterten dennoch.

„95 Prozent der Beschlüsse fallen im Gemeinderat mit großer Mehrheit“ unterstrich Oberbürgermeister Guido Till eingangs der jüngsten Sitzung des Gremiums. „Mehr ins Blickfeld geraten die fünf Prozent konträrer Entscheidungen, die aber zu einer Demokratie gehören.“ Und Einigkeit bestand auch über die Fortentwicklung des Einzelhandels in der Göppinger City. Ein Antrag der fünf Fraktionen von CDU, SPD, FDP+FW, Grüne und FW (VuB) sowie Stefan Horn (parteilos) wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Teil 1 des Antrags, der die Entwicklung des Apostel-Areals zu den „Apostel-Höfen“ und des Citybaus zum „Göppinger Tor“ (GEPPO stellte die entsprechenden Pläne und Ideen bereits vor) vorsieht, wurde sogar einstimmig angenommen. Teil 2 des interfraktionellen Antrags gibt grundsätzlich grünes Licht für ein Einkaufszentrum in der Bleichstraße an Hand des Kriterienkatalogs von Dezember 2010 und wurde bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen mit 34 Ja-Stimmen angenommen.

Sowohl Fekix Gerber (CDU) als auch Dr. Emil Frick (SPD) begründeten ihre Zustimmung zur Bleichstraße mit den zwischenzeitlich vorgestellten Plänen für die Quartiersentwicklungen Apostel-Areal und Citybau. Ende April 2010 bevorzugten die beiden großen Fraktionen nämlich noch den Bereich Bahnhof/Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB). Doch die neuen Perspektiven im Herzen der Innenstadt ließen das Pendel zu Gunsten der Bleichstraße umschwenken. Klaus Rollmann (FDP+FW) begrüßte vor allem das Ende der investitionshemmenden Unsicherheit. Christoph Weber (Grüne) sah im „Dreiklang“ die Chance für eine harmonische Quartiersentwicklung; Wolfram Feifel (FW/VuB) begrüßte die „erhebliche qualitätsmäßige Weiterentwicklung in letzter Minute“.

Dann ging es an Einzelfragen. Der Antrag von Stadtrat Christian Stähle (LINKE), den ZOB in Göppingen nach dem Vorbild des „Sonneberger Umweltbusbahnhofs“ weiter zu entwickeln, wurde mit 21 Nein- zu elf Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen abgelehnt. Stadtrat Joachim Hülscher (FW/VuB) versuchte, mit zwei Anträgen die Dimension des Einkaufszentrums an der Bleichstraße zu begrenzen. Geplant sind zusätzliche 5.000 Quadratmeter Verkaufsflächen (gestartet sind die Investoren einst mit 9.000 Quadratmeter Verkaufsflächenausweitung); Hülscher wollte die Gesamtzahl aber auf 21.600 (statt 23.600) Quadratmeter begrenzen und damit nur 3.000 Quadratmeter neue Verkaufsfläche zulassen. Dieser Antrag wurde mit 17 Nein-Stimmen bei 13 Ja-Stimmen und acht Enthaltungen abgelehnt. Auch sein Versuch, die Zahl von 66 kleineren Läden im Einkaufszentrum zu verhindern, scheiterte bei nur zehn Ja-Stimmen. Der Antrag der Grünen, möglichst viel großflächigen Einzelhandel im EKZ unterzubringen, wurde hingegen einstimmig angenommen. Abgelehnt wurde der Grünen-Antrag, die Zahl der Stellplätze von geplant 650 deutlich zu reduzieren; schließlich würden auch bei den Apostel-Höfen und für das „Göppinger Tor“ neue Stellplätze entstehen. Fachbereichsleiter Helmut Renftle wies darauf hin, dass die gegenwärtige Zahl von 794 Parkplätzen (etwa 570 im Kaufhof-Parkhaus, rund 220 in der Tiefgarage des Frey-Centers) künftig bereits um 144 verringert werde. Bei sieben Ja-Stimmen und vier Enthaltungen wurde der Antrag mit 28 Stimmen deutlich abgelehnt. Ebenso deutlich abgelehnt wurde der Versuch der Grünen, die Verkaufsfläche auf unter 20.000 Quadratmeter zu drücken. Für einen von den Grünen beantragten Architektenwettbewerb hingegen sprach sich der Gemeinderat bei fünf Enthaltungen mit breiter Mehrheit aus.


  

Fachbereichsleitung

Axel Fricke
Fon 07161 650-9010
Fax 07161 650-9009
stadtplanung@goeppingen.de

Sprechzeiten

Montag 8 bis 13 Uhr
Dienstag 8 bis 12 Uhr
Mittwoch 8 bis 12 Uhr
Donnerstag 13:30 bis 18 Uhr
Freitag 8 bis 12 Uhr