Herz des Göppinger Mittelalters

Seit November 2014 bilden der Schlossplatz und das Renaissanceschloss zusammen mit der Stadtkirche wieder einen harmonischen Einklang. Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Regierungspräsident Johannes Schmalzl und Oberbürgermeister Guido Till übergaben den für rund 1,8 Millionen Euro sanierten Platz der Öffentlichkeit. Und diese nahm ihn mit einem stimmungsvollen Fest bis in die Abendstunden hinein in Besitz.

Die vielleicht eindrucksvollste Zahl der Baumaßnahme Schlossplatz nannte Oberbürgermeister Guido Till in seiner Begrüßung: Auf 3.200 Quadratmeter Fläche wurden 300.000 einzelne Pflastersteine verlegt. „Es war viel Fleißarbeit, die hier geleistet wurde und die sich vor allem gelohnt hat,“ so das Stadtoberhaupt. „Aus einem Parkplatz wurde ein wunderschönes Schmuckkästchen, umrahmt von städtebaulichen Edelsteinen der Stadt.“ So rahmen das zwischen 1550 und 1568, unter Herzog Christoph, vom württembergischen Baumeister Alberlin Tretsch erbaute herzogliche Residenzschloss samt Marstall und die 1618 bis 1619 von Heinrich Schickhardt, unter Herzog Friedrich Karl errichtete Stadtkirche den Platz ein. Die südlich an den Schlossplatz angrenzenden Gebäude, wie das ehemalige Dekanatsgebäude, die heutige Martin-Bank, führen zum Klassizismus des Wiederaufbaus nach dem zweiten großen Stadtbrand 1782. Der Schlossplatz verbindet die beiden wichtigsten historischen Epochen der historischen Innenstadt und ist eine wichtige Klammer zwischen Mittelalter und Neuzeit. „Oder anders ausgedrückt: Der Schlossplatz ist das Herz des mittelalterlichen Göppingens, den Kopf bildet sozusagen der ‚Storchen‘, das Liebenstein’sche Stadtschloss, die Herberge unseres stadtgeschichtlichen Museums“, so Till. „Beide, Herz wie Kopf, befanden sich in keinem guten Zustand, und beide wurden von uns dementsprechend behandelt und kuriert.“ Bogenförmig verbunden werden Herz und Kopf, Schlossplatz und ‚Storchen‘, durch die Schlossstraße, die ebenfalls noch gestalterisch aufgewertet werden soll. „Wir haben eben nicht nur die klassizistische Struktur in unserer Stadt, sondern auch einige mittelalterliche Bauten, die wir zum Teil schon aufwändig saniert haben. Nach dem Dokumentationsraum für staufische Geschichte haben wir unseren Hausberg, den Hohenstaufen, zu neuem Leben erweckt. Als nächstes wird der Kornhausplatz mit dem mittelalterlichen Adelberger Fruchtkasten, unserer heutigen Stadtbibliothek, revitalisiert. Auf der Agenda steht ebenfalls das Badhaus in Jebenhausen, das älteste Haus unserer Stadt“, kündigte OB Till an.

Landrat Edgar Wolff, Erste Bürgermeisterin Gabriele Zull, Landtagsabgeordnete Jutta Schiller, Jelena Bozic vom Büro cheret bozic architekten in Stuttgart, die Landtagsabgeordneten Jörg Matthias Fritz und Peter Hofelich, Regierungspräsident Johannes Schmalzl mit Aaron Till Hildebrandt auf dem Arm, Minister Winfried Hermann, Oberbürgermeister Guido Till, Baubürgermeister Helmut Renftle und Dekan Rolf Ulmer beim Banddurchschnitt.

Im Jahre 2010 hat die Stadt ein Gutachterverfahren zur Neugestaltung des Schlossplatzes durchgeführt. Aufgabe war es, den Platzbereich und sein direktes Umfeld funktional und gestalterisch aufzuwerten, um seine Attraktivität als historische Visitenkarte der Stadt zu steigern. Dabei sollte der Platzcharakter durch eine einheitliche, eher ruhige Gestaltung mit hochwertigen Platzoberflächen so betont werden, dass er dem historischen Ort angemessen ist. Unser Ziel war es, hier einen lebendigen Platz zu schaffen, auf dem die Menschen die Hauptrolle spielen und nicht, wie in den vergangenen Jahrzehnten, der Parksuchverkehr. Mittels einer Mehrfachbeauftragung konnte hierfür die optimale Lösung gefunden und schließlich auch realisiert werden. Das Büro Cheret und Bozic konnte die Jury mit seinem Entwurf überzeugen. Als markanteste Aspekte fallen der Seerosenteich am Marstallplatz und das Baumgeviert vor dem neuen Caffe Bozen, das den Charakter einer Piazetta entstehen lässt, ins Auge. Aber auch die Stufenanlage vor dem Schloss, die Mauer an der südöstlichen Seite oder die drei großen Sitz- oder vielleicht auch Kletterelemente bestimmen das Gesamtbild mit. Mit einem Gesamtvolumen von 1,8 Millionen Euro und einer Förderung von 400.000 Euro ist der Schlossplatz ein wichtiger Meilenstein der Stadtentwicklung. „Der Schlossplatz ist mit dem Marstallplatz nun Auftakt der Platzfolge an der Pfarrstraße“, bilanzierte Till. Es folgen der Dr.-Schwab-Platz, der Foggia-Platz und zu guter Letzt der Kornhausplatz.

Dekan Rolf Ulmer ging in seiner kurzen Andacht auf die Geschichte der Stadtkirche ebenso ein wie auf Psalm 5, Vers 8, der über dem heute nicht mehr genutzten Portal Richtung Schloss prangt: „Ich aber darf in dein Haus gehen durch deine große Güte und anbeten vor deinem heiligen Tempel in deiner Furcht.“ und auf Jesaja 40, Vers 8 „aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ Dieses Versprechen gelte auch heute noch; auch in einer säkularisierten Zeit spreche Gott die Menschen an.

Auf die Geschichte des Schlosses ging anschließend Minister Winfried Hermann, zuständig nicht nur für Verkehr, sondern auch für Infrastruktur und damit für die Stadtplanung, mit humorvollen Worten ein. Das „Kurhotel“ von Herzog Christoph und späterer Witwensitz sei schließlich ein „Recyclingschloss“, erbaut aus den abgebrochenen Steinen der Burgruine auf dem Hohenstaufen. Ausdrücklich begrüßte der Minister die Aufwertung der jahrzehntelang vernachlässigten innerstädtischen Plätze und würdigte den neuen Schlossplatz inklusive „Hybrid“ aus Brunnen und Teich neben dem früheren Marstall. Um Wohnen in den Städten wieder attraktiv zu machen und den Plätzen mehr Lebensqualität zu verleihen, haben Bundes- und Landesregierungen der verschiedensten politischen Prägungen sowie Kommunen in den letzten 40 Jahren zehn Milliarden Euro in die Stadtsanierung fließen lassen – fünf Milliarden kamen vom Land, vier Milliarden vom Bund und eine Milliarde von den Städten und Gemeinden. „Göppingen gehört zu den Pionieren in Sachen Landesförderung und ist seit 1971 dabei“ anerkannte Minister Hermann.

Auch für das Regierungspräsidium Stuttgart sei die Stadtsanierung ein zentrales Thema, griff Regierungspräsident Johannes Schmalzl den ministeriellen Ball auf. Aktuell seien 600 Maßnahmen in Vorbereitung, Durchführung oder Abrechnung. Und das Geld sei gut angelegt, ziehe es doch die sechs- bis achtfache Summe an Folgeinvestitionen nach sich, so Schmalzl. „Es lebt sich gut in Göppingen“, stärkte der Regierungspräsident das Selbstvertrauen der Hohenstaufenstadt. Auf das Thema Ortsumfahrung eingehend erklärte er, die Belastungen in Jebenhausen durchaus zu kennen. „Aber vor der Aufnahme in das Straßenbauprogramm muss das Baurecht bestehen“, erläuterte er den Verfahrensgang. Und das Planfeststellungsverfahren benötige Zeit, um angesichts zu erwartender Klagen vor Gericht Bestand haben zu können. Dank Minister Hermann sei die Ortsumfahrung Jebenhausen im Zehn-Jahres-Programm aufgenommen, so der Regierungspräsident abschließend.

Und dann war Zeit zum Feiern: Musik aus der Zeit Herzog Christophs von Württemberg, Tänze aus der Renaissance und Geschichten rund um das Schloss unterhielten auf dem Schlossplatz und in der Stadtkirche. Ein buntes Kinderprogramm im Schlosshof und vor dem Schloss sorgte für Kurzweil der jüngeren Gäste. Und bis spät in die Nacht wurden an der Schlossfassade beeindruckende Lichtinstallationen gezeigt, während die Jazz-iG den Schlossplatz erklingen ließ.

Neugestaltung des Schlossplatzes

In der Stadtgeschichte und in der heutigen Stadtstruktur Göppingens kommt dem Schlossplatz eine zentrale Bedeutung zu. Er verbindet die beiden wichtigsten historischen Epochen der historischen Innenstadt wie das Mittelalter und den Klassizismus und beherbergt einige der bedeutendsten historischen Bauten Göppingens: das Schloss, die Stadtkirche und den Marstall.

Im Jahre 2010 hat die Stadt ein Gutachterverfahren zur Neugestaltung des Schlossplatzes durchgeführt. Aufgabe war es, den Platzbereich und sein direktes Umfeld funktional und gestalterisch aufzuwerten, um seine Attraktivität als historische Visitenkarte der Stadt zu steigern. Dabei sollte der Platzcharakter durch eine einheitliche, eher ruhige Gestaltung mit hochwertigen Platzoberflächen und sensibler Materialität eine Oberfläche schaffen, die dem historischen Ort angemessen ist.

Von den fünf eingereichten Arbeiten wurde vom Beurteilungsgremium unter Vorsitz von Prof. Dr. Pesch in großer Übereinstimmung der Entwurf des Büros Prof. Cheret und Bozic zur weiteren Realisierung empfohlen.

Typ Name Datum Größe
pdf Präsentation Neugestaltung Schlossplatz.pdf 03.09.2012 6,2 MB

  

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