Stiftung Wieseneck wird 100 Jahre alt

Im Jahr 1913 übergaben Anna von Sprewitz und Pfarrer Christoph Blumhardt an den damaligen Schultheiß von Jebenhausen, Adam Failenschmid, Bargeld in Höhe von 51.400 Mark als Stiftungsgeld zur Errichtung eines Kinderheims. Die Geburtsstunde der Stiftung Wieseneck.

Die Höhe des Stiftungsgelds war für die damalige Zeit eine stattliche Summe. Zum Vergleich: das Jahresgehalt des Schultheißen Failenschmid betrug nur 2.200 Mark, also nur einen Bruchteil von dem, was als Stiftungsbarvermögen von Anna von Sprewitz und Pfarrer Christoph Blumhardt eingebracht wurde. Im Dezember 1913 wurde dann in der Villa Wieseneck, dem Wohnsitz der beiden Stiftungsgründer, im Beisein des Gerichtsnotars Huber aus Göppingen die Stiftungsurkunde unterzeichnet und am 9. Juli 1914 durch einen Entschluss des König Wilhelm II. von Württemberg schließlich der Status einer juristischen Person zuerkannt, wodurch die Stiftung rechtlich selbstständig wurde. Außer dem Barvermögen gehörten auch die Villa Wieseneck mit Lustgarten, das schon erstellte Gebäude des Kinderheims und ein Ökonomiegebäude mit Ländereien zum Stiftungsvermögen. In den Anfangsjahren stifteten weitere Personen Bargeld in das Vermögen der Stiftung, mit dessen Hilfe am 2. März 1920 der Waldeckhof samt den dazugehörenden Nutzflächen erworben werden konnte. Dieser Kauf erwies sich in den Jahren der Inflation ab 1923 als Gold wert, da das Stiftungsvermögen somit keine größeren Wertverluste erlitt.

Im vierten Paragraph der Stiftungsurkunde wurde der Zweck der Stiftung Wieseneck festgehalten: „In dem Kinderheim Wieseneck sollen neben dem Betrieb einer Kinderschule solche Kinder der Einwohner Jebenhausens ohne Unterschied der Konfession vom dritten Lebensjahr ab, tagsüber kostenlose Aufnahme und Verpflegung finden, deren Eltern, Vater oder Mutter außerhalb ihrer Wohnung beschäftigt sind.“ Weiter heißt es dort, dass in erster Linie die Bedürftigkeit der Eltern für die Aufnahme der Kinder maßgebend sein soll. Zusätzlich wurde in Paragraph zehn der Stiftungsurkunde auch noch festgelegt, dass in der Villa Wieseneck ein Pensionat betrieben werden soll, um „bedürftigen älteren Leuten aus gebildetem Stande die Möglichkeit zu geben, einige Zeit zur Erholung in der Villa Wieseneck in Jebenhausen zu verweilen“. In der Anfangszeit der Pension wohnten die Gäste im Obergeschoss der Villa, wobei ausschließlich nur weibliche Gäste zugelassen waren. Da die Pension jedoch nie einen Gewinn abwarf und auch verschiedene Maßnahmen wie beispielsweise das Drucken eines Werbeprospekts ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg brachten, wurde der Pensionsbetrieb nach einem einstimmigen Beschluss des Stiftungsvorstands im Mai 1937 eingestellt. Ab November 1923 betrieb die Stiftung Wieseneck zudem ein Altersheim, bei dem die aufgenommenen Personen ihr gesamtes Vermögen und ihre etwaigen Rentenansprüche an die Stiftung abzutreten hatten. Aber auch diese Einrichtung bestand nur für wenige Jahre. Die Betreuung von Kindern bedürftiger Eltern wurde im Gegenzug dazu überaus reichlich in Anspruch genommen, denn die für damalige Verhältnisse sozial fortschrittliche, moderne und gut ausgestattete Einrichtung sorgte dafür, dass die Kinder tagsüber nicht sich selbst überlassen waren wenn ihr Eltern in den Göppinger Fabriken beim arbeiten waren. Im Kinderheim Wieseneck gab es zu Anfang zwei verschiedene Gruppen. Die erste Gruppe war der Kindergartenbetrieb, der auch „Schiele“ genannt wurde und in dem die Kinder den ganzen Tag über versorgt wurden. Die Kinder der zweiten Gruppe waren Schulkinder der ersten und vierten Klasse, die dreimal in der Woche nachmittags in das Kinderheim kommen durften. Wenn die Schulkinder nachmittags in das Kinderheim kamen, mussten sie sich zuerst einmal im Schlafsaal ausruhen bzw. schlafen, bevor sie anschließend Bastel- und Strickunterricht hatten. Alle Kinder erhielten im Kinderheim Wieseneck unentgeltlich etwas zu essen, das teilweise von den Pächtern und den Verwaltern des Waldeckhofes kamen, die dazu verpflichtet waren eine bestimmt Menge der Kartoffel- Weizen- und Obsternte an die Stiftung abzugeben sowie täglich Milch an das Kinderheim zu liefern. Bis zum Ende der 1930er reichten die Einnahmen der Stiftung Kinderheim Wieseneck stets aus, um die Aufwendungen abzudecken. Seit 1939 wird die Stiftung finanziell unterstützt um die Verluste der Stiftung teilweise auszugleichen. Diese Unterstützung unternimmt seither die Stadt Göppingen, da der Stiftung mit Erlass des Württembergischen Staatsministeriums vom 16. Oktober 1931 die öffentlich-rechtliche Eigenschaft zuerkannt wurde und die Gemeinde Jebenhausen am 1. April 1939 in die Gemeinde Göppingen eingegliedert wurde. Seither übernimmt die Position des Stiftungsvorstand immer der jeweilige Oberbürgermeister der Stadt Göppingen. Der Stiftungsrat, der als Organ der Stiftung die Grundsätze der Stiftungsverwaltung festlegt, besteht aus dem Gemeinderat der Stadt Göppingen, dem Bezirksamtsleiter von Jebenhausen sowie dem evangelischen und katholischen Ortsgeistlichen. Als drittes Organ gibt es noch den Stiftungsausschuss, der aus dem Stiftungsvorstand, den beiden Ortsgeistlichen, dem Bezirksamtsleiter und dem Bezirksbeirat von Jebenhausen besteht. Dieser hat die Aufgabe, sämtliche Angelegenheiten des Stiftungsrates vorzuberaten und erhält zudem einen jährlichen Stiftungsfond in Höhe von 2.500 Euro, mit dem die beiden örtlichen Kindergärten unterstützt werden. Heute können rund 100 Kinder in den Kindergarten der Stiftung Wieseneck aufgenommen werden. Flexible Abholzeiten, auf Wunsch gemeinsames Mittagessen und zusätzliche Sprachförderung für nicht deutschsprachige Kinder sind Teil des dortigen Angebots. Die Eltern der Kinder müssen heute einen Beitrag an den Kindergarten leisten, wobei sich die Höhe des Betrags nach der Leistungsfähigkeit der Eltern richtet. Zudem konnte 2004 gemeinsam mit der Wilhelmshilfe Göppingen eine Wohnanlage mit 26 Wohneinheiten für betreutes Wohnen im Alter in der Mittenfeldstraße eingeweiht werden.

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