Seit 1941 im Dienste des Gewässerschutzes

Am 10. Dezember 1941 wurde die Göppinger Kläranlage in Betrieb genommen. Der Bau der Kläranlage fiel damit in eine Zeit, von der man annehmen sollte, dass nicht gerade Wasserfilterung und Gewässerschutz die größten Probleme waren. Doch vor dem Hintergrund der Entwicklung scheint diese Jahreszahl logisch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Gruben langsam aber sicher aus der Mode, Wasserklos wurden ausgehend von den großen Städten zunehmend Standard, sie waren ein Symbol des Fortschritts und Hygienebewusstseins. Die Flüsse, welche die Abwässer aufzunehmen hatten, wurden gleichzeitig zu einem Spiegel dieser Entwicklung. So auch in Göppingen, wo ausgehend von der Kernstadt Kanäle entstanden waren. Das Abwasser wurde entlang der Fils abgeleitet und landete letztendlich im Fluss. Der Zusammenhang zwischen Krankheit, Armut und verschmutztem Wasser war jedoch bekannt und das Bewusstsein dafür auch in der Bevölkerung vorhanden. „Unsere Gesellschaft wäre ohne sauberes Trinkwasser nicht das, was sie heute ist“, sagt Jochen Gugel, Geschäftsleiter der SEG. Dieser Umstand wird heutzutage aufgrund seiner Selbstverständlichkeit jedoch unterschätzt. Kläranlagen sind seit Jahrzehnten so geräuschlose wie wichtige Dienstleister im Hintergrund.

Der Bau der Göppinger Kläranlage war ein Meilenstein für den Gewässerschutz im Kreis und gerade angesichts der rasanten Entwicklung von großer Bedeutung. Denn, was in den 50er und 60er Jahren im Klärwerk ankam, war so bunt wie die heutige Gesellschaft. In den 50er Jahren konnte man an der Fils ablesen, welche Farbe gerade Mode war. Und auch die zunehmende Anzahl an Waschmaschinen schlug sich über Tenside schäumend in der Fils nieder. In den 70er und 80er Jahren änderte sich die Siedlungsstruktur im Filstal: Vororte wuchsen rasant und parallel nahm auch die Industrieproduktion zu. Das blieb nicht ohne Folgen: In den 90er Jahren waren die Belastungen für das Klärwerk schließlich so hoch geworden, dass die Anlage in den Jahren 1993 bis 1997 für knapp 100 Millionen Mark grundlegend umgebaut und vor allem erweitert werden musste. Das Ergebnis dieser Maßnahmen: Eine Verbesserung der Reinigungsleistung um stolze 70 Prozent.

Mit dem Umbau der Anlage war auch eine Strukturveränderung verbunden. Über Jahrzehnte war die Kläranlage eine Abteilung des Göppinger Tiefbauamtes gewesen. Im Jahre 1997 wurde mit der Gründung der Stadtentwässerung Göppingen (SEG) ein städtischer Eigenbetrieb geschaffen, der nun für alle Bereiche, die mit Entwässerung zu tun haben, also neben dem Klärwerk beispielsweise auch für das Kanalsystem, eigenverantwortlich zuständig ist. Von den insgesamt 40 Mitarbeitern der SEG sind acht im Bereich Kanäle und Regenüberlaufbecken tätig. Alle anderen sind rund ums Klärwerk beschäftigt, sechs davon im kaufmännischen Bereich. Seit dem Jahr 2003 wird die SEG von Bauingenieur Jochen Gugel geführt. In den ersten Jahren, von 1997 bis 2003, fungierte Eugen Strähle als Geschäftsleiter.

Eine Frage gilt es aber noch zu klären: Warum befindet sich die Stadtentwässerung Göppingen auf Uhinger Gemarkung? Wollten die Göppinger vor 75 Jahren ihr dreckiges Wasser lieber in der Nachbargemeinde gereinigt wissen, weit weg von etwaiger unangenehmer Geruchsentwicklung? „So war das sicher nicht“, schmunzelt Jochen Gugel und erklärt den Hintergrund: „Für eine Kläranlage wählt man gewöhnlich den tiefsten Punkt einer Siedlung. Und den fanden die Vorväter wenige Meter hinter der Faurndauer Gemarkungsgrenze am Fuße von Schloss Filseck“. In früheren Zeiten hätte sich in der Nähe des Klärwerks auch ein Filswehr befunden, und – es habe ausreichend Platz für den Bau der Anlage gegeben, weiß der heutige SEG-Geschäftsleiter. Die postalische Adresse lautet dennoch auf „73035 Göppingen“. Besucher, die mit einem Navigationsgerät zum Klärwerk gelangen wollen, kann diese Besonderheit allerdings durchaus vor ein kniffliges Problem stellen.