Weniger Masse und dafür mehr Grün

Vergangene Woche beschäftigte sich der Gestaltungsbeirat, Baubürgermeisterin Eva Noller sowie Vertretern des Gemeinderats mit drei Wohnbauvorhaben. Dabei ging es um folgende drei Projekte: Mörikestraße 9, ehemaliges Kreeb-Areal sowie Wohnquartier am Schockensee. Die Beurteilung der Pläne fiel unterschiedlich aus.

Mörikestraße 9

In diesem Projekt geht es um die Aufstockung eines Geschäftsgebäudes in der Mörikestraße. Das Gebäude, in dem die Deutsche Bank seit vielen Jahren ihre Filiale hat, soll nach Plänen des Investors Jan Watzl um zwei Geschosse aufgestockt und mit einem weiteren Gebäudeteil verlängert werden.  Vorgesehen wären in dem Gebäude weiterhin die Deutsche Bank im Erdgeschoss und in den beiden Geschossen darüber Boarding-Wohnungen. Dazu kommen kleine Innenstadtwohnungen und eine attraktive Dachterrasse. Bis zu 40 Wohnungen sollen dadurch entstehen. Architekt Markus Höninger betonte bei der erneuten Vorstellung im Gestaltungsbeirat, nun wolle man mit dem Projekt möglichst schnell durchstarten, einen Bauantrag stellen und in die Umsetzung kommen. Man habe seine Hausaufgaben gemacht, die Planungen wie vom Gestaltungsbeirat empfohlen dahingehend verändert, dass der Schwerpunkt des Gebäudes sich nun sehr deutlich Richtung Kreisverkehr orientiere und man von ursprünglich geplanten drei Geschossen auf zwei Geschosse reduziert habe. Johannes Kappler vom Gestaltungsbeirat zeigte sich erfreut, dass man die Anregungen umgesetzt habe und würdigte das Anliegen, mit den Qualitäten des bestehenden Gebäudes zu arbeiten. Der Gestaltungsbeirat begrüßt es auch, dass kleine Wohnungen angeboten werden sollen, da Göppingen eine Hochschulstadt sei und der Bedarf daher groß. Das Projekt habe sich sehr schön weiterentwickelt, eine Wiedervorlage sei daher nicht notwendig.

Wohnquartier am Schockensee

Die zu bebauende Fläche befindet sich westlich des Quartiers Stadtgarten und direkt gegenüber dem Zugang zum Park Schockensee. Vier Gebäude mit 60 Wohnungen plus Tiefgarage sollen hier auf dem schmalen Grundstück zwischen Carl-Hermann-Gaiser Straße bis hin zur Eberhardstraße im Stile von freistehenden „Villen im Park“ entstehen. Bauherr ist hier die Immobilienfirma Wohnbau Edelmann, Architekt Kai Koreck von fai Architekten stellte vergangene Woche die Veränderungen vor, die man nach den Empfehlungen aus der letzten Gestaltungsbeiratssitzung im Oktober 2023 umgesetzt habe.  So habe man das Stadthaus in der Mitte des Geländes um ein Stockwerk auf sechs Stöcke reduziert, unter je zwei Häuser sind je eine verbindende Tiefgarage geplant. Auch habe man überprüft, ob es genügend Raum und Distanzzonen für die erforderlichen Feuerwehrzufahrten gebe. „Das sollte klappen“, so Kai Koreck optimistisch. Die Mauer, die sich aktuell noch zum Stadtgarten hin befinde, werde entfernt. Hier bemühe man sich, dass das neue Quartier sich an das Wohnquartier Stadtgarten anfügen könne. In Sachen Verschattung habe das neue Wohnquartier laut Berechnungen keinen großen Einfluss auf die Nachbarschaft, circa 60 Prozent der Beschattung erfolge vollständig auf dem Grundstück, das zum Projekt gehört, so Architekt Kai Koreck. Eine einzelne Gebäudefläche außerhalb des Projektgebiets werde durch das höchste Stadthaus teilweise verschattet.  Hier, so die Meinung des Gestaltungsbeirats, sei es noch sinnvoll, mit Beschattungsdiagrammen nachzuweisen, wie sich die vier Gebäude konkret auf den Stadtgarten bzw. Nachbarschaft auswirken werde. 

Prof. Uta-Stock-Gruber, Landschaftsarchitektin und Mitglied im Gestaltungsbeirat, war erfreut, dass sich „einiges getan hat“. Jetzt seien nur noch kleine Schräubchen zu drehen. Die Reduzierung des Stadthauses von sieben auf sechs Etagen mache Sinn und sei eine „positive Geste zu den Nachbarn hin“. Es brauche für diese solitärähnlichen Baukörper in gartenartigem Kontext jedoch noch mehr Grün, „Bäume müssen her“, so Prof. Uta-Stock-Gruber. Sie lobte, dass dieses Projekt ein Prototyp für ähnliche Verdichtungen sein könne. Man war sich einig, dass eine Wiedervorlage im Gestaltungsbeirat nicht notwendig sei, gerne könne man aber über Themen wie eine mögliche Holzbauweise als Fassadengestaltung noch sprechen. Baubürgermeisterin Eva Noller ergänzte, dass für dieses Projekt ein Bebauungsplanverfahren gemacht wird, in dem ein öffentlicher Durchgang in Nord-Süd-Richtung festgesetzt werde.

Quartier Christophstraße, Schillerstraße, Rosenplatz (ehemaliges Kreeb-Areal)

Nachdem die Firma Kreeb in den Stauferpark gezogen ist, soll ein halber Straßenblock, bestehend unter anderem aus einem Gewerbebau (die ehemalige Fabrik der Feinmechanik der Firma Kreeb), zwei schöne Innenhöfe und das ehemalige Wohnhaus der Firma, neugestaltet werden. Das Architekturbüro Schuster stellt die Projektplanungen bereits zum dritten Mal im Gestaltungsbeirat vor. Architekt Arndt betonte, dass man sich über die bisherigen Anregungen des Gestaltungsbeirats eingehend Gedanken gemacht habe und nun bezüglich der Zusammensetzung der Gebäude eine gute, städtebauliche Lösung präsentieren könne. Man stelle sich zur Christophstraße hin drei kubistische Gebäude vor, dazu im Zentrum des Quartiers einen mittigen Baukörper sowie ein weiteres Gebäude zur Ziegelstraße hin. Vom Zentrumsbauwerk ausgehend entwickeln sich dann zwei Höfe, die komplett autofrei bleiben werden. Der Osthof diene der Erschließung und beinhalte einen teils öffentlichen Weg. Der Westhof, in dessen Richtung sich die Mehrzahl der geplanten Wohnungen ausrichten würde, sei als privater Raum gedacht. Man versuche, eine möglichst große Bandbreite an Wohnungen zu bieten, etwa in einer Größenordnung von 27 bis 130 Quadratmetern. 55 Wohneinheiten seien angedacht, dazu eine Tiefgarage, die sich über die gesamte Grundstückfläche erstreckt.

Prof. Peter Cheret, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, dankte für die Ausführungen und betonte, man habe sich im Gestaltungsbeirat intensiv mit den Plänen beschäftigt. Das Quartier solle und könne eine Vorbildfunktion erfüllen, noch habe man aber einige Probleme erkannt. So seien weder die Grundrisse noch die Wohnqualität zumutbar. Das Problem sei die hohe Dichte an Baumasse, es sei etwa beim zentralen, mittigen Bauwerk sinnvoll und notwendig, Höhe und Masse zurückzusetzen. Ebenso sieht der Gestaltungsbeirat das Thema Fluchtwege noch ungelöst sowie die geplanten Baukörper zur Christophstraße hin kritisch. „Mit dieser Visualisierung der grauen Blöcke haben Sie sich heute keinen Gefallen getan“, so Cheret deutlich. Auch die angedachten Materialien wie etwa einer Blech- und Faserzementfassade wären nicht passend, Holz wesentlich sinnvoller, auch angesichts der heißen Sommer. Die geplante Tiefgarage würde in der Umsetzung extrem teuer werden und somit hohe Kosten für die Mieter von Stellplätzen zukommen. Auch wenn Peter Cheret das Dilemma der erforderlichen Stellplätze für 55 geplanten Wohnungen erkenne: „Wir benötigen Wohnraum und Wohnungen, aber die damit geforderte Anzahl an verpflichtenden Stellplätzen sind unverträglich und kaum umsetzbar, das ist natürlich schwer zu lösen.“ Prof. Uta-Stock-Gruber betonte, man stehe hinter dem Grundansatz des Projekts, aber es sei zu viel Masse und zu wenig Grün. „Bauvolumen zu reduzieren bietet die Chance auf grüne Volumina,“ empfahl sie. „Wir können die Pläne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gutheißen. Hier liegt noch viel gestalterisches Potenzial,“ fasste Cheret zusammen.  Er bot den Bauherren und Architekten daher an, weitere Pläne für das Gebiet gemeinsam in einem Workshop mit zwei Mitgliedern des Gestaltungsbeirats außerhalb des Gestaltungsbeirats zu erarbeiten. Baubürgermeisterin Eva Noller sicherte Bauherren und Architekten eine rasche Terminfindung zu. Auch nahm sie den Gedanken auf, dass die Stadt Göppingen eine eigene Stellplatzsatzung erarbeitet.

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