Annelie Rall (1912-2002)

Als Mäzenin, Galeristin und Mitbegründerin des Göppinger Kunstvereins hatte Annelie Rall in entscheidendem Maße die Göppinger Kunst- und Kulturlandschaft lange Zeit geprägt. Bereits 1951 fand in ihrer kleinen Wohnung die erste Kunstausstellung statt, in der die fünfköpfige Familie seit 1944 wohnte. Dies sollte der Startschuss einer weitreichenden Pionierarbeit werden, die in der Einrichtung ihrer „Kleinen Galerie im Hailing“ für über 20 Jahre ihren Ausdruck fand.

Annelie Rall wurde 1912 in Uelzen geboren und entstammte einer bürgerlichen Familie. In Wirren der Weltwirtschaftskrise begann sie in Kiel ein Studium der Zahnmedizin, um erst einmal etwas „Richtiges“ zu lernen. Auf einer Fortbildung lernte sie schließlich in Celle ihren späteren Mann kennen, der im dortigen Spital arbeitete. Nachdem Eberhard Rall eine neue Stelle im Heilbronner Krankenhaus antrat, heirateten 1937 die beiden. 1947 erhielt Eberhard Rall die Stelle des Chefarztes der Röntgenabteilung im Göppinger Kreiskrankenhaus, wohin ihm die Familie folgte.

Wenig später, das Leben hatte sich wieder weitgehend normalisiert, besuchte Annelie Rall die Baumeister-Ausstellung in Stuttgart, von der sie begeistert zurückkehrte und den Entschluss fasste, sich in Hamburg näher mit der „Vereinigung Griffelkunst“ auseinanderzusetzen. Begeistert von dieser Kunst beschloss sie, die Griffelkunst im süddeutschen Raum zu präsentieren und organisierte erste Ausstellungen.
Für Göppingen und dessen Kulturleben bedeutete Annelie Rall eine wertvolle Bereicherung. Als sie 1977 ihre Galerietätigkeit einstellte, wirkte sie bei der Gründung des Göppinger Kunstvereins sowie dem Aufbau der Kunsthalle mit. 45 Jahre nach der ersten Griffelkunst-Ausstellung folgte die Ehrung durch die Stadt Göppingen. Diese würdigte ihr Lebenswerk mit der Verleihung des Heinrich-Schickhardt-Preises. Hierzu zeigte die Städtische Galerie Werke aus ihrem Privatbesitz. Am 17. April 2002 verstarb Annelie Rall in Göppingen.