Rosina Dorothea Knoer (1733-1809)

Vor über 200 Jahren erschien das „Göppinger Kochbuch“, verfaßt von einer „Freundin der Kochkunst“, wie sich die Autorin ganz bescheiden auf dem Buchtitel vorstellte. In seinem 1790 veröffentlichten Werk „Das gelehrte Wirtemberg“ stellte Balthasar Haug die Verfasserin als „Knörin, Stadtschreiberin zu Göppingen, geb. Dertinger“ vor. Und auch im 1797 herausgegebenen Werk „Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller“ ist nachzulesen, dass zum Kreise der deutschen Schriftsteller die Kochbuchautorin Knoer gehörte, die mit dem Göppinger Stadt- und Amtsschreiber Karl Friedrich Knoer verheiratet war. Zu Zeiten des Zweiten Koalitionskrieges um 1801/02 verließ das betagte Ehepaar schließlich Göppingen, nachdem Karl Friedrich Knoer über 40 Jahre als Amtsschreiber tätig war. Am 9. Dezember 1809 verstarb Rosina Dorothea Knoer.

Rosina Dorothea Knoer hat sich mit dem Göppinger Kochbuch ein literarisches Denkmal gesetzt. Das Kochbuch mit den regionalen Gerichten der schwäbischen Küche entwickelte sich, gemessen an den damaligen Verhältnissen, zu einem wahren Bestseller. Bereits 1799 erschien die sechste Auflage. Allein die Rezepte nehmen 374 Seiten in Anspruch, das nützliche Register zur Auffindung der Gerichte stolze 20 Seiten. Sie sind in einzelne Kapitel gegliedert, denen schließlich die Rezepte zugeordnet sind. Neben den Rezepten für „Suppen“, „Rindfleisch“, „Gemüser“, „Pasteten“ und „Fischen“ beinhaltet das Buch nicht nur über 650 Koch- und Backideen, sondern beschreibt auch die erste Anleitung für die Herstellung des heutigen Synonyms der schwäbischen Küche - die Spätzle.

Heute gehört das Buch zu den bibliophilen Raritäten, das nur selten in Antiquariaten anzutreffen ist. Dies mag vornehmlich damit zusammenhängen, dass Kochbücher nicht für die Regale, sondern für den alltäglichen Gebrauch in der Küche bestimmt waren und daher nicht selten abgewirtschaftet. Die Umstellung der Maße und Gewichte im Zuge der deutschen Reichsgründung 1871 sowie die Technisierung der Küche in den letzten 100 Jahren taten ihr übriges, um das Ausmustern von alten Kochbüchern zu beschleunigen.