Christoph Blumhardt

Im Jahre 1907 zog sich Christoph Blumhardt, der unter Malaria-Fieberanfällen litt, nach Jebenhausen in die Villa Wieseneck zurück. Hier begann sein Wirken in der Stille, nachdem er die Jahre davor sehr im öffentlichen Blickfeld gestanden hatte. Christoph Blumhardt war zum Beispiel von 1900 bis 1906 Abgeordneter der Sozialdemokratischen Partei im Stuttgarter Landtag – und das als Pfarrer. Sein Eintreten für die Arbeiterschaft, deren Nöte er in Göppingen auch sehen konnte, sowie seine Mitgliedschaft in einer „gottlosen“ Arbeiterpartei, die für die Trennung von Staat und Kirche kämpfte, fanden bei der Kirchenleitung keinen großen Anklang. Er musste den Titel eines Pfarrers der Landeskirche zurückgeben – und damit auch auf alle Versorgungsansprüche verzichten. Doch im Kampf für mehr Menschenwürde, für Freiheit und die Abschaffung von Privilegien erkannte er die „gelebte Nachfolge Christi“. Heute gilt der Boller Theologe als ein Vordenker des religiösen Sozialismus.

Vor seiner politischen Karriere führte Christoph Blumhardt das Werk seines Vaters Johann Christoph Blumhardt im Bad in Boll fort. Nach dessen Tod übernahm er 1880 die Leitung des Hauses. Unter Blumhardt dem Älteren war das ehemals königliche Kurbad mit einer neuen, christlich orientierten Konzeption zu rascher Blüte gelangt. Und auch unter dem Sohn, der als Prediger einen guten Ruf hatte, strömten Heil- und Heilung- suchende Menschen aus ganz Europa nach Boll.

In seiner Jebenhäuser Zeit führte ihm Schwester Anna von Spreewitz den Haushalt. Zu Andachten und Predigten hielt er sich bis zu einer erneuten Erkrankung immer wieder in Boll auf. Am 2. August 1919 verstarb er. Die Herrenhuter Brüdergemeine übernahm danach das Bad, aus der Villa Wieseneck wurde eine Kinderheim und später die heute noch bestehenden „Stiftung Wieseneck“, die ihre Aufgaben im sozialen Bereich sieht.