Eduard Fuchs (1870-1940)

Obwohl Eduard Fuchs nur sein Geburtsjahr in der Hohenstaufenstadt verbrachte und sein Vater (seit 1865 Göppinger Bürger) als Kaufmann dort nur Finanzpleiten hinterließ, verdient es der Sittengeschichtler, Sammler und politische Kopf in die Reihe “Göppinger Köpfe” aufgenommen zu werden.

Bekannt und ein wohlhabender Bestsellerautor wurde Fuchs durch die 6-bändige “Illustrierte Sittengeschichte”, die seit 1908 im Albert Langen Verlag erschien und die bis heute als fundamentales Werk der Kulturwissenschaft gilt. Sie wurde trotz ihres horrenden Preises immer wieder nachgedruckt, was dem Verlag die Existenz sicherte, dem Autor ein Millionenhonorar bescherte und den Lesern ein voyeuristisches Vergnügen.
Der Sittenfuchs verfasste in seiner Jugend aber auch pathetische Gedichte und bissige Satiren, anarchistische Flugblätter und sozialistische Kampfschriften. Schon als Siebzehnjähriger wurde der nach Stuttgart umgezogene Fuchs Sprecher der Anarchistengruppe der schwäbischen Metropole und 1888 wurde er zu fünf Monaten wegen Majestätsbeleidigung verurteilt. Nur ein Jahr später - inzwischen zum Sozialdemokraten geläutert - musste Fuchs nochmals fünf Monate in den Bau - diesmal wegen Verbreitung verbotener sozialistischer Schriften. 1890 zog er nach München und dort machte er als Buchhalter Karriere bei der Münchner Post, dem sozialdemokratischen Zeitungsverlag der Isarmetropole. Zunächst als Mitglied der Geschäftsführung für Inserate zuständig, wurde er Redakteur und später Herausgeber des “Süddeutschen Postillon”, einem bissigen Satireblatt der bayrischen Parteigenossen, dessen Spott auch die eigenen Reihen nicht aussparte. Behördenschikanen blieben Fuchs auch dort nicht erspart: Anklagen wegen Aufreizung zur Gewalt, grobem Unfug, Vertriebsverbot, öffentliche Ärgernis in religiöser Beziehung und sechs Wochen Haft wegen Verhöhnung von Bismarck. 1898 wurde Fuchs dann noch zu zehn Monaten Haft wegen Majestätsbeleidigung verurteilt.
Danach siedelte Fuchs nach Berlin um und dort arbeitete er als freier Autor und Kunstexperte. Er sammelte erotische Kunst, die als Pornographie verpönt war. Er sammelte Volkskunst, die als wertlos galt, und er engagierte sich für die Avantgardekunst seiner Zeit, die von Kaiser Wilhelm als “Rinnsteinkunst” diffamiert worden ist. In seiner vom Stararchitekten Mies van der Rohe erbauten Villa im noblen Berliner Viertel Zehlendorf trug Fuchs Karikaturen und Gemälde des großen französischen Gesellschaftskritikers Honoré Daumier zusammen und von den deutschen Impressionisten Max Liebermann und Max Slevogt, mit denen er freundschaftlich verbunden war, besaß er eine exzellente Kollektion ihrer Gemälde. Höhepunkt war dabei sicher die gemeinsame Ägyptenreise mit Max Slevogt, die Fuchs im Tagebuch und mit der Kamera dokumentierte.

1933 musste Fuchs, ein Duzfreund von Lenin und Gründungsmitglied des Spartakusbundes, mit seiner jüdischen Frau Deutschland verlassen. Die Nationalsozialisten rissen die Sammlung auseinander, verhökerten die Gemälde und beschlagnahmten die Villa. Eduard Fuchs starb im Pariser Exil, kurz vor seinem 70 Geburtstag.