Magdalena Schneller (1821-1902)

Als Neujahrskind wurde Magdalena Böhringer am 1. Januar 1821 als Tochter eines Bäckers in Bezgenriet geboren. Da ihre Eltern sehr religiös ausgerichtet waren, kam sie schon im Kindesalter mit den damals verbreiteten endzeitlichen Erwartungen des Johann Albrecht Bengel in Berührung, die großen Einfluss auf sie ausübten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Magdalena Böhringer als junges und religiös-schwärmerisches Mädchen in den Dienst des Eschenbacher Pfarrers Johann Christian Engel trat. Nach zahlreichen Gesprächen mit ihrem Gastvater fragte sie sich immer mehr, ob sie in der Nachfolge Christi treu genug sei und fasste den Entschluss, in der Mission tätig zu sein. Diese Idee war jedoch ihren Eltern genauso suspekt, wie ihre Ablehnung von verschiedenen Heiratsanträgen. Daneben besuchte sie in Ganßlosen (heute Auendorf) die sogenannten „Stunden“ des Lehrers Johann Ludwig Schneller. Sie lehnte sich ihm an und ließ sich von ihm in vielen religiösen Belangen beraten.

Ihr weiterer Berufsweg führte sie 1839 in die „Kinder-Rettungsanstalt“ in Göppingen, der Wilhelmshilfe. Danach zog sie nach Wilhelmsdorf bei Ravensburg, wo sie als Aufseherin für entlassene weibliche Strafgefangene arbeitete.

Doch trotz der Entfernung zu Göppingen blieb sie in Briefkontakt zu Johann Ludwig Schneller, der mittlerweile in Vaihingen/Enz an einer Anstalt für entlassene jugendliche Strafgefangene arbeitete. Er selbst war zuvor als Volontär ebenfalls bei Wilhelmshilfe in Göppingen tätig, wo sich die beiden sicher näherkamen. Nach einem Besuch bei Magdalenas Eltern 1847 schrieb er in ihr Poesiealbum: „Wir sollen in Jerusalem Bürger werden“. Ende des Jahres 1853 verlobten sich die beiden, im August 1854 heirateten sie schließlich.

Kurze Zeit später erhielt Johann Ludwig Schneller den Auftrag, das Brüderhaus in Jerusalem zu leiten. Bereits im November begleitete Magdalena Schneller ihren Mann und reiste mit ihm gemeinsam nach Jerusalem. Doch der Aufbau des Brüderhauses scheiterte, stattdessen holten sie Waisenkinder aus den Christenverfolgungen in Syrien (heute Libanon) zu sich. So gründete das Ehepaar Schneller im November 1860 im eigenen Heim das „Syrische Waisenhaus“.
Schon bald fanden über 40 Kinder im Waisenhaus ein zu Hause, die Magdalena Schneller ehrfurchtsvoll „Mama Schneller“ nannten. Sie unterstützte ihren Mann bei der Leitung des Hauses und übernahm alle anfallenden Arbeiten im Haushalt. Während einer monatelangen Krankheit ihres Mannes leitete sie sogar zusätzlich die gesamte Anstalt. Nach einem verhängnisvollen Sturz war sie jedoch nur noch eingeschränkt belastbar. Ihr blieb lediglich das Bekleben von Karten aus dem „Heiligen Land“ mit gepressten Blumen, die sie zur Unterstützung des Waisenhauses an Touristen verkaufte.

Im Herbst 1896 starb nach kurzer Krankheit Johann Ludwig Schneller. Trotz der Fürsorge und der Liebe ihrer Kinder fühlte sich Magdalena zunehmend einsam. Große Freude erfuhr sie jedoch 1898 beim Besuch des deutschen Kaiserpaares in Jerusalem, als ihr durch Kaiserin Auguste Victoria das „Frauen-Verdienstkreuz am weißen Band“ verliehen wurde. Doch schon 1901 folgte der nächste Schicksalsschlag, als ihr Sohn plötzlich verstarb. Am 25. Mai 1902 schlief Magdalena Schneller im Beisein ihrer Tochter und ihres Sohnes schließlich ein. Zwei Tage später wurde sie auf dem Zionsbergfriedhof neben ihrem Mann begraben.

Doch ihr Erbe ist noch vorhanden. Noch heute sind in der Nachfolge des Syrischen Waisenhauses die Schneller-Schulen im Libanon und in Jordanien in einem ausgedehnten Gelände mit Schulen, Heimen, Werkstätten und landwirtschaftlichen Flächen wichtige Bildungs- und Erziehungseinrichtungen im Nahen Osten.