Peter Rohland (1933-1966)

Peter Rohlands herausragende Bedeutung für das deutsche Folkrevival der 1960er Jahre wird erst heute erkennbar. Er war Sänger und Liedermacher, aber auch Volksliedforscher und Volksliedtheoretiker und trug mit seinen Überlegungen dazu bei, den traditionellen Volksliedbegriff so zu verändern, dass auch die Lieder der deutschen Freiheitsbewegungen und des Widerstandes gegen politische Unterdrückung darin Platz fand. 

Peter Rohland wurde am 22. Februar 1933 in Berlin geboren, er starb am 5. April 1966 in Freiburg im Alter von nur 33 Jahren. Er stammte aus einer großbürgerlichen schlesischen Familie. Diese zog 1939 nach Stuttgart und 1945 nach Göppingen um. Hier besuchte Peter Rohland die Hohenstaufenoberschule für Jungen, an der er 1954 Abitur machte. Dazu gibt es eine Anekdote, die ihn charakterisiert: Im Mathe-Abi gab er, dem Mathematik verhasst war, ein leeres Blatt ab, erhielt eine "Sechs" und war damit durchs Abitur gefallen. Doch wurde ihm von der Prüfungskommission das Abitur aufgrund seiner "menschlichen Reife" dennoch zuerkannt. Ein Argument seiner Lehrer war u.a.: "Er ist schon Führer einer Jungschar bei der Schwäbischen Jungenschaft."

Das erste Programm von Peter Rohland entstand in der "Schwäbischen Jungenschaft", einem Jugendbund, der zur freien bürgerlichen Jugendbewegung bzw. zur "bündischen Jugend" gerechnet wird. In der Phantasie des Jungenbundes gab es nur drei mögliche Berufe: "Mönch" bzw. "Wissenschaftler", "Soldat" bzw. "Partisan", und - vor allem - Künstler.

"Pitter", wie Peter Rohland genannt wurde, entschied sich für den "Künstler" als Berufsziel und war fortan für einen normalen "bürgerlichen Beruf" verloren, brach sein Jurastudium in Tübingen ab und zog nach Berlin, wo es bereits in den 1950er Jahren Künstlerkneipen und kleine Kabarettbühnen gab, in denen man als Sänger auftreten konnte. 

1962 ging Peter Rohland für mehrere Monate nach Paris, sang in den Kellertheatern des linken Seine-Ufers, lernte jüdische Intellektuelle kennen und kam mit der Idee zurück, mit einem Programm jiddischer Lieder eine Tournee durch die BRD zu machen. Das Interesse für die jiddischen Lieder war bei PEter Rohland mit dem politischen Anspruch verbunden, etwas zur Wiedergutmachung des nationalsozialistischen Unrechts gegenüber den Juden zu tun. Das fand Aufmerksamkeit und Anerkennung beid en jüdischen Medien und den jüdischen Gemeinden in Deutschland. Höchstes Lob erhielt er von dem jüdsichen Historiker Joseph Wulf: "So vollendet vorgetragen habe er nur selten jiddische Lieder gehört, auch in New York, wo mehr Juden leben als in Israel, singt man sie nicht besser."

Bei den Musikhistorikern gilt Peter Rohland heute als der erste Sänger der BRD, der den Mut fand, "das bleierne Schweigen" der Nachkriegszeit" zur Judenverfolgung der Nazis zu durchbrechen.
Am populärsten wurde Peter Rohland (zusammen mit Schobert Schulz) mit den "Landstreicherballaden", die im April 1965 von Polydor als LP herausgegeben wurden. Von seinen Freunden auf Burg Waldeck wurde "pitter" vor allem mit diesen Liedern identifiziert, da ihr antibürgerliches und anarchistisches Lebensgefühl als ein authentischer Ausdruck seiner Persöhnlichkeit empfunden wurde. Zum politischen Sänger und Liedermcher wurde Peter Rohland ab 1965 mit den "Liedern deutscher Demokraten" aus dem Vormärz und der Revolution von 1848. Beim zweiten Festival auf Burg Waldeck an Pfingsten 1965 stellte er das Programm erstmals in einem Workshopkonzert der Öffentlichkeit vor und sorgte damit für Aufsehen. Dieses Programm ist Peter Rohlands bedeutsendste Leistung und sein wichtigster Beitrag zur Neubestimmung des deutschen Volkslieds.

Es war Rohlands Tragik, dass er zu dem Zeitpunkt, an dem seine Karriere als Sänger hätte beginnen können, eine Gehirnblutung erlitt und wenige Wochen später starb.

In Göppingen erinnerte der Club Remise 1976 mit dem Peter-Rohland-Gedächtnisfestival an den verstorbenen Sänger und prominent gewordenen Bürger der Stadt. Heute pflegt die Erinnerung an den Künstler vor allem die Peter Rohland Stiftung. Auf Burg Waldeck wird seit 2000 jährlich ein Singewettstreit ausgetragen, der nach Peter Rohland benannt ist.