Thekla Landerer (1814-1896)

Thekla Landerer, geborene Werner, war die jüngere Schwester des berühmten Gründers des Reutlinger Bruderhauses Gustav Werner, dessen christlich-soziale Haltung auch das Leben seiner Schwester stark beeinflussen sollte. Während seines Studiums lernte er Heinrich Landerer (1814-1877) kennen, mit dem ihn zeitlebens eine enge Freundschaft verband. Auf diesem Wege lernte auch Thekla den jungen Medizinstudenten kennen und knüpfte erste zarte Annäherungsversuche.

Am 23. Juli 1839 heiratete sie schließlich den inzwischen zum Göppinger Oberamtswundarzt ernannten Heinrich Landerer, welcher noch im gleichen Jahr zusammen mit dem Boller Badearzt Dr. Ludwig Heinrich Palm das Göppinger Bad aufkaufte, aus dem schon bald das Christophsbad hervorgehen sollte. Sie teilte seine sozial-medizinischen Ziele und unterstützte ihn schon von Beginn an mit ihrer lebensklugen, positiven Haltung.

Die 1840er Jahre verliefen für das Ehepaar jedoch sehr wechselhaft. Nachdem die ältesten beiden Söhne kurz nach ihrer Geburt 1840 bzw. 1841 verstarben, brachte Thekla Landerer zwischen 1843 und 1850 vier Söhne und zwei Töchter zur Welt.

Heinrich Landerer war seit 1874 gesundheitlich schwer angeschlagen, die Ärzte diagnostizierten bei ihm Magenkrebs. Gemeinsam mit Thekla plante er von nun an die Zukunft des Unternehmens, das nach seinem Tod ungeteilt auf Thekla Landerer übergehen sollte, um später an die Söhne Gustav, Richard und Heinrich weitergegeben werden zu können. Am 8. Februar 1877 verstarb Heinrich Landerer, sodass von nun an seine Ehefrau als Eigentümerin des Christophsbades galt. Das Erbe, das sie antrat, war jedoch alles andere als leicht. Das Christophsbad bot zu dieser Zeit für mehr als 400 Patienten Platz und stellte damit mehr als die Hälfte aller Psychiatriebetten in Württemberg. Der schmale finanzielle Handlungsspielraum hatte bislang wichtige Renovierungen und Modernisierungen verhindert, während zur gleichen Zeit in Schussenried eine weitere staatliche Heilanstalt eröffnete. Dennoch ließ sich Thekla nicht entmutigen und führte das Lebenswerk ihres Mannes konsequent und umsichtig weiter. Unterstützung fand sie dabei durch ihre Söhne, welche die Umgestaltung des Christophsbades vorantrieben sowie das Unternehmen zeitgemäß einrichteten und wirtschaftlich konsolidierten. Als Dank dieser Unterstützung übertrug Thekla Landerer bereits 1890 ihren Söhnen die vollständigen Eigentumsrechte am Unternehmen, welche sie sonst erst nach ihrem Tod erhalten hätten. So konnten die drei Brüder im August 1892 die Offene Handelsgesellschaft „Dr. Landerer Söhne Heilanstalt Christophsbad Göppingen“ in das Handelsregister eintragen und den weiteren Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Christophsbades legen.