Wilhelm von Eiff (1890-1943)

Wilhelm von Eiff, der bedeutendste deutsche Glasgraveur zwischen den beiden Weltkriegen, wurde am 11. September 1890 in Göppingen, Heubachstraße 10, geboren. Sein Vater war als Eisenformer aus dem Kasseler Raum zur Firma Schuler nach Göppingen gekommen und hatte mit Bertha Kinkel in eine württembergische Familie eingeheiratet. Der Sohn wuchs mit vier weiteren Geschwistern in Göppingen auf und ging von 1897 bis 1904 in die Oberrealschule. Anschließend absolvierte er eine Lehre als Glasgraveur bei der Göppinger Filiale der Württembergischen Metallwarenfabrik Geislingen und besuchte die Abendkurse der reformorientierten Zeichenschule von Gustav Kolb und Carl Gmelich.

Bis 1911 arbeitete Wilhelm von Eiff bei der WMF und schuf dort auch seinen ersten Porträtschnitt, ein Bildnis Goethes in Tiefgravur, ehe ihn sein Weg über Paris, Haida, Steinschönau und Wien nach Stuttgart führte. Am 22. Dezember 1917 heiratete er die Tochter eines Ulmer Brauereibesitzers, Sophie Nathan, mit der er noch einige Jahre in Göppingen lebte, bis die junge Familie mit Kind nach Stuttgart zog.

Dort hatte Wilhelm von Eiff ein Atelier für Stein- und Glasgravur eingerichtet, das bereits bedeutende Aufträge ausführte, als 1921 auf Drängen von Gustav Pazaurek, Leiter des Landesgewerbemuseums Stuttgart und besonderer Förderer von Eiffs, und mit fianziellen Unterstützung verschiedener Firmen wie der WMF an der Kunstgewerbeschule Stuttgart eigens für Wilhelm von Eiff eine Glasklasse eingerichtet werden konnte. Diese Fachabteilung für Glas- und Edelsteinbearbeitung wurde 1925 durch eine Schleifereiwerkstatt erweitert, in der auch Flachglas für großformatige Fensterverglasungen bearbeitet wurde. Diese Glasklasse war aufs engste mit dem Leben von Wilhelm von Eiff verbunden, der 1943 starb. Im Unterschied etwa zur Fachschule Zwiesel, die vor allem Fachkräfte für die Industrie ausbildete, pflegte Wilhelm von Eiff die künstlerische und individuele Glasveredelung und bildete somit einen Gegenpol zu den Bestrebungen von Wilhelm Wagenfeld und Bruno Mauder. In keiner anderen SChule Deutschlands wurden alte und neue Techniken derart kreativ verwendet und weiterentwickelt. Sie zog Schüler von Dresden bis Barcelona und von Edinburgh bis Tokio an und bildete eine Reihe hervorragender Glasveredeler aus, die teilweise bis in die Siebzigerjahre auch noch zwischen Stuttgart und Geislingen wirkten, wie beispielsweise Konrad Habermeier an der Fachschule Schwäbisch Gmünd, Erwin Barthel in Gingen, Helmut Edelmann in Uhingen, Marga Schädel-Erbe in Bad Boll oder Hans Model, Nora Ortlieb, Margot Rößler und Marianne Schoder in Stuttgart.