Städtepartnerschaft Foggia

Zweisprachige Lesung zum Jubiläum

Ein Hauch von Italien wehte Ende Juni durch das Alte E-Werk, als der AK Foggia, in Kooperation mit der Volkshochschule, zur Jubiläumslesung „50 Jahre Städtepartnerschaft Göppingen-Foggia“ eingeladen hatte. Oberbürgermeister Alex Maier erinnerte in seiner Begrüßung an die Überraschung, die dem damaligen OB Dr. Herbert König vor fast genau 50 Jahren, am 28. Juni 1971, bereitet wurde: Mit einer Gemeinderatsdelegation nach Foggia gefahren, um Gespräche über eine mögliche Städtepartnerschaft zu führen, wurde ihm von seinem Amtskollegen, Sindaco Vittorio Salvatori, eine fertige Städtepartnerschafts-Urkunde vorgelegt. „Was blieb Doktor König anderes übrig, als diese Urkunde, ganz ohne vorherigen Gemeinderatsbeschluss, zu unterzeichnen?“, blickte OB Maier zurück. Der Göppinger Gemeinderat habe diese offizielle Städtefreundschaft aber anschließend gebilligt.

Pandemiebedingt könne dieses Jubiläum nicht so gebührend gefeiert werden, wie es gewollt und angemessen wäre. Dafür erfreuten am Samstagabend Teresa de Nichilo und Tina Stroheker die Gäste vor Ort sowie via Live-Stream auch in Foggia mit italienischer Lyrik im Original und in deutscher Übersetzung. Die Anwesenheit vieler Freunde der gemellaggio, an der Spitze der frühere Erste Bürgermeister Dr. Jürgen Christ, ehemalige Mitglieder des Gemeinderats und frühere Schulleiter, unterstrichen, so Maier, die tiefe Verwurzelung der Städtepartnerschaft. „Vor allem die Schüleraustausche, aber auch die Begegnungen der Vereine, prägten und prägen diese Städtepartnerschaft“, so das Stadtoberhaupt. „Und ich bin mir sicher, dass unsere Städtepartnerschaften im nächsten Jahr, wenn die Einschränkungen der letzten eineinhalb Jahre vorüber sein werden, gestärkt weiter leben werden. Denn der Nachholbedarf an persönlichen Begegnungen ist riesig.“ Dass Foggia in diesem Jahr zudem an den Beginn der Herrschaft des Staufer-Kaisers Friedrich des Zweiten, von Federico Secondo, vor genau 800 Jahren erinnere, weise auf die historischen Wurzeln der Städtepartnerschaften hin: Hier die Stammburg der Staufer, dort die Lieblingsresidenz der wohl bemerkenswertesten Staufer-Persönlichkeit.

Teresa de Nichilo, in Bari, der heutigen Hauptstadt Apuliens geboren und seit einigen Jahren Italienisch-Dozentin an der Volkshochschule, sowie Tina Stroeker trugen anschließend Ausschnitte aus dem Schaffen von zeitgenössischen Schriftstellern Italiens vor – zunächst in der deutschen Übersetzung, dann im italienischen Original. Hartmut Zeller und Dan Roncari umrahmten den gelungenen Abend musikalisch.

Staufer als Bindeglied

Seit Sommer 1971 besteht die Städtepartnerschaft mit Foggia, Residenzstadt des Stauferkaiser Friedrich II. Mit 170.000 Einwohnern ist die in Apulien/Süditalien gelegene, rund 30 Kilometer vom adriatischen Meer entfernte Stadt die größte der vier Göppinger Partnerstädte. Im 18. Jahrhundert, genauer gesagt am 20. Mai 1731 durch ein Erdbeben weitgehend zerstört, ist das einzige Überbleibsel aus der Zeit Friedrich II. ein Torbogen. Heute ist Foggia eine junge Universitätsstadt mit juristischer, geisteswissenschaftlicher, wirtschaftlicher, landwirtschaftlicher und medizinischer Fakultät. Als Messezentrum ist die Stadt bedeutend vor allem für die Landwirtschaft.

Zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 28. Juni 1971 in Foggia durch Sindaco (Bürgermeister) Vittorio Salvatori und Oberbürgermeister Dr. Herbert König führte die Göppinger Delegation ein Säckchen Erde vom Hohenstaufen bei sich. Dies war an die neu gewonnenen Freunde in Foggia ein besonderes sinnfälliges und überaus symbolträchtiges Geschenk, schließlich erinnerte es an die historischen Verbindungen und Gemeinsamkeiten der beiden Städte, die in der staufischen Epoche liegen. Auf dem Hohenstaufen wurde mit dem Bau der Stammburg um 1070 ein großes Kapitel Mittelaltergeschichte eröffnet, im südlichen Italien fand dieses 150 Jahre später seine glanzvolle Entfaltung und strebte unter dem Stauferkaiser Friedrich II. seinem Höhepunkt zu. In Foggia stand bekanntlich einst die Lieblingsresidenz des Kaisers, und von den Schönheiten und Reizen der apulischen Landschaft fühlte er sich besonders angezogen: Er nannte sich "Unus ex Apulia", "einer aus Apulien".

Schulen und Schüleraustausche haben sich als Säulen der Partnerschaft erwiesen. In ihrem Gefolge sind unzählige Göppinger Vereine, Organisationen und Bürger in den Genuss der überwältigenden Gastfreundschaft der Foggianer, der abwechslungsreichen Kultur und der reizvollen Landschaft Süditaliens gekommen.