Klärungsbedarf: Was leistet die SEG?

Das Filstal ist industriell geprägt. Das schlägt sich auch im Göppinger Klärwerk nieder. Während in einer durchschnittlichen Kläranlage der Anteil der Privathaushalte mit zwei Dritteln gegenüber den Industriebetrieben überwiegt, ist es in Göppingen gerade umgekehrt. Die damit verbundene Herausforderung ist groß. „Die Abwässer sind in der Regel komplexer, enthalten schwer abbaubare Stoffe wie Chemikalien, Lösungsmittel und Ähnliches“, erklärt SEG-Geschäftsleiter Jochen Gugel. Durch die Größe der Anlage kann dem jedoch effektiv begegnet werden. Mögliche Schadstoffe werden so verdünnt, dass sie die für die Faulprozesse so wichtigen Bakterien nicht schädigen. Aufs Ganze gesehen werden gute Ablaufwerte garantiert. Mit 330.000 Einwohnerwerten ist die Göppinger Kläranlage eine der zehn größten in ganz Baden-Württemberg. Einwohnerwerte sind eine Recheneinheit, die an bestimmte Kriterien geknüpft ist und auch auf Industriebetriebe und zum Beispiel für Nutztiere in der Landwirtschaft angewandt wird. 100.000 Personen entsorgen ihr Abwasser über die Göppinger Kläranlage. Der Rest sind Einwohnergleichwerte, die auf Industriebetriebe oder Landwirtschaft zurückgehen. Pro Tag hat die Kläranlage dadurch einen Zulauf von rund 50.000 Kubikmetern Abwasser, also 50 Millionen Liter. Pro Jahr kommen im Göppinger Klärwerk 15 bis 20 Millionen Kubikmeter Abwasser an. Je größer eine Kläranlage ist, desto besser ist die Reinigungsleistung. Auf der anderen Seite sind aber auch die zu erreichenden Werte für größere Anlagen vom Gesetzgeber erheblich strenger. „Wir werden von mehreren Seiten intensiv überwacht“, sagt Jochen Gugel. Zu erfüllen sind neben den Vorgaben der deutschen Wassergesetze auch EU-Richtwerte. Welche Stoffe werden überhaupt aus dem Wasser gefiltert? Über 96% der im Wasser enthaltenen Kohlenwasserstoffe werden im Klärwerk abgebaut, Phosphor zu über 93%. Bei der Reinigungsleistung bezüglich Stickstoff ist Göppingen gar eine der besten Anlagen in ganz Baden-Württemberg mit annähernd 85%. Diese drei Fremdstoffe stellen die sogenannte „Schmutzfracht“ im Abwasser dar. Wichtig für die Wasserbehörden ist die sogenannte 24-Stunden-Mischprobe, die anzeigt, dass die Anlage auch Tageszeiten mit hoher Belastung gut bewältigt. Vieles davon wird heute schon von Rechnern überwacht. Ziel ist eine weitgehende Automatisierung der Prozesse. Doch auch die Direktentnahme von Abwässern und Schlämmen spielt nach wie vor eine Rolle im Klärwerk. Es sind rund 20 Stoffe, deren Werte sowohl im Wasser als auch in den Schlämmen untersucht werden. Hinzu kommt eine Prüfung auf Spurenstoffe. Der Nachweis dieser im Mikrogrammbereich vorkommenden circa 150 Fremdstoffe wird von Speziallaboren erbracht.