75 Jahre im Dienste des Gewässerschutzes

Mit einem Tag der offenen Tür feierte das von der Stadtentwässerung Göppingen (SEG) betriebene Göppinger Klärwerk sein 75-jähriges Bestehen. Zahlreiche Bürger aus dem Kreisgebiet nutzten die Gelegenheit zu einem Rundgang und zeigten sich erstaunt von der Leistungsfähigkeit der Anlage und dem naturnahen Erscheinungsbild. Von der Arbeit des Göppinger Klärwerks profitieren alle: heutige, aber gerade auch nachwachsende Generationen. Gewässerschutz ist aktiver Umweltschutz und damit ein Grundstein für eine gute und gesunde Zukunft. Entsprechend war auch am Tag der offenen Tür für die ganze Familie etwas geboten: Das Klärwerk präsentierte sich mit einem bunten und informativen Programm, welches von SEG-Mitarbeiterin Claudia Heilig so abwechslungs- wie lehrreich zusammengestellt worden war. Die Musikkapellen aus Hohenstaufen, Holzheim und Faurndau sorgten für musikalische Unterhaltung, bewirtet wurden die Gäste durch den Musikverein Hattenhofen. Die jüngsten Besucher vergnügten sich auf einer Hüpfburg und beim Kinderschminken. Rund um das Fischmobil des Landesfischereiverbandes wurde nicht nur staunenden Kinderaugen über Mikroskope und Modelle ein faszinierender Einblick in den Lebensraum Wasser geboten. Ein Informationsfilm zeigte in Endlosschleife die Tätigkeitsfelder der Stadtentwässerung Göppingen. Mitarbeiter der SEG und externe Dienstleister informierten auf einer Informationsmeile mit Anschauungsmaterial und profundem Fachwissen rund ums Thema Abwasser.

Riesen Interesse an Führungen

Die Besucher strömten zur Anlage „Im Bulach“, wagten einen Blick über das idyllisch gelegene Gelände vom Dachsteg der Faultürme aus und informierten sich bei den Führungen, die den ganzen Tag über ohne Pause stattfanden. Nicht selten schlossen sich bis zu 40 Personen den rund 20-minütigen Touren an. Dora Maisch aus Faurndau ist die Kläranlage schon seit Jahrzehnten als Nachbar vertraut. Zusammen mit ihrem Sohn nutzte sie den Tag der offenen Tür, um erstmals hinter die Tore zu schauen und sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen, zu sehen „was mit dem Abwasser geschieht“. „Hochinteressant“ fand sie dabei auch die Infotafeln. Sie habe „einen richtig tollen Einblick bekommen“, erzählt sie – nachdem sie zuvor immer nur außen vorbeigelaufen sei. Andreas und Monika Wörtz aus Rechberghausen sind mit ihrer elf Jahre alten Tochter Alina ins Klärwerk gekommen. Vor allem ihr wollten sie zeigen, wo das Abwasser hinfließt und wie sauber es die Anlage wieder verlässt. Doch auch für die Eltern war der erneute Rundgang spannend. Hatten sie in früheren Jahren die Anlage doch hin und wieder besichtigt. „Es hat sich schon einiges verändert“, sagen Andreas und Monika Wörtz. Sehr gut gefallen haben ihnen die früheren Klärbecken, die nach ihrer Abschaltung zu kleinen See- und Schilflandschaften umgebaut wurden. Von diesen Biotopen zeigte sich auch der Göppinger Stadtrat Michael Freche beeindruckt: „Das hätte ich nicht erwartet“. Ein Motiv seines Besuchs sei es gewesen, seinen beiden Söhnen zu zeigen, „wo das Wasser landet, das im Bad verschwindet“. Auch er erwähnt die Schautafeln auf dem Gelände der Göppinger Kläranlage. Dort habe er gelesen, dass 450 Liter Abwasser pro Sekunde im Klärwerk einträfen. So sei es auch nicht verwunderlich, dass die Göppinger Anlage zu den zehn größten im Lande gehöre. Dies habe ihn doch überrascht, obgleich er gewusst habe, dass das Klärwerk zu den größeren gehöre, so Freche. Erstaunlich, wie viel unterirdisch geschehe und was an Technik in der Anlage stecke, findet Markus Müller. Er ist beim Landratsamt für Hochwasserschutz und Gewässerökologie der Fils zuständig. So hatte er bislang schon zwar hin und wieder mit dem Klärwerk zu tun, den operativen Bereich hatte er jedoch noch nicht kennengelernt. Beim Tag der offenen Tür hat es ihm daher „super gefallen“. Maria Stephan von der Kämmerei der Stadt Göppingen war vor allen Dingen hinsichtlich der Funktionsweise des Klärwerks neugierig und folgte daher der Einladung zum Jubiläumsfest gerne.

OB Till: „So grün kann eine Kläranlage sein“

Das große Interesse und die begeisterte Resonanz geben Göppingens Oberbürgermeister Guido Till recht. Er hatte zur Eröffnung des Festtages betont, das das Thema Umweltschutz nach wie vor von großer Bedeutung sei, auch wenn es derzeit nicht die Schlagzeilen beherrsche. Von umweltpolitischer Relevanz ist dies vor allem, wenn man mit Bestwerten aufwarten kann und sich über die eigentlichen Aufgaben hinaus engagiert. So wie dies in Göppingen der Fall ist. Sei es bei der Reinigungsleistung oder in energetischer Hinsicht – bis 2020 wird das Klärwerk autark sein. Eine erstaunliche Perspektive, bedenke man, dass Klärwerke sonst zu den größten kommunalen Energieverbrauchern zählten, betonte OB Till. Damit leiste das Klärwerk auch einen wichtigen Beitrag zum integrierten Energiekonzept von Stadt und Landkreis. Es werde ganzheitlich und nachhaltig gehandelt. „So grün kann eine Kläranlage sein“, lobte Oberbürgermeister Till mit Blick auf Lage und Tätigkeitsbilanz der SEG in Anwesenheit zahlreicher Verwaltungsvertreter sowie Stadt- und Gemeinderäten der Anschlussgemeinden, die durch ihr Kommen die Bedeutung des Klärwerks unterstrichen. Tills Dank für eine hervorragende Bilanz des Klärwerks und vielversprechende Zukunftsaussichten galt Geschäftsleiter Jochen Gugel und den rund vierzig Mitarbeitern, aber auch den in den vergangenen Jahrzehnten dort tätigen Menschen. Den heutigen Göppinger Baubürgermeister und früheren technischen Betriebsleiter der Anlage, Helmut Renftle, adelte er – „keineswegs anrüchig“ - zum „Mister Abwasser“. Gewürdigt wurden auch der heutige technische Betriebsleiter Werner Hauser sowie Gugels Vorgänger Eugen Strähle, der bis 2003 erster Geschäftsleiter der 1997 gegründeten SEG war.

Herausforderungen der Zukunft

Der aktuelle kaufmännische Betriebsleiter Rudolf Hollnaicher stellte die Festschrift vor, die zum Jubiläum erschienen ist und nicht nur einen Rückblick enthält, sondern auch einen interessanten Ausblick auf die Zukunftsaufgaben gibt, die man bei der SEG bereits heute angeht. So beispielsweise zur Phosphorrückgewinnung, zur Abwasserwärmenutzung und zu neuen Zielen bei der Reinigung des Wasser von endokrinen Stoffen. Wie aktiv man im Klärwerk Göppingen seit 1941 aktiv für den Umweltschutz tätig ist und mit welchen neuen Anstrengungen man dies auch in Zukunft sein wird, davon konnten sich Anfang Juli zahlreiche Besucher selbst ein beeindruckendes Bild machen. Sie werden künftig wohl auch einen anderen Blick auf die klare Fils haben und nun genau wissen, wo für saubere Flüsse gesorgt wird.

Führungen möglich

Wer den Tag der offenen Tür verpasst hat, jedoch gerne einmal eine Führung durch die Anlage machen würde, kann sich bei Frau Claudia Heilig unter der Telefonnummer 07161 - 65094926 melden und einen Termin vereinbaren. Führungen werden ab einer Gruppengröße von 10 Personen angeboten.