„Warmduscher heizen der Kreissparkasse mächtig ein“

Mit Abwasser heizen – das klingt zunächst einmal wenig attraktiv. Doch das Prinzip ist so einfach wie einleuchtend. Wer duscht schon gerne kalt? Selbst an eisigen Tagen kommt das verschmutzte Wasser daher noch 10 Grad warm im Klärwerk der SEG an. Das macht man sich - dem Prinzip der Erdwärmeheizung folgend - zunutze, indem man kühles Wasser in die Tiefe pumpt und mit Hilfe von Wärmetauschern durch das Abwasser erwärmt wieder zurückerhält. So wird die im Abwasser enthaltene Energie effizient weiterverwertet.

In Baden-Württemberg ist Göppingen Vorbild und Zentrum der Abwasser-Wärme-Nutzung. Eine günstige Gelegenheit wurde beim Schopfe gepackt. Beim Bau eines neuen großen Abwasserkanals vom Bahnhof bis zum unteren Wehr in den Jahren 2011/2012 wurden vorausschauend Wärmetauscher mit eingebaut. Auch bei diesem Projekt kommt den Göppingern die Größe ihrer Anlage zugute. „Ein gewisser Mindestdurchfluss ist schon nötig“, erklärt SEG-Geschäftsleiter Jochen Gugel. Bislang profitiert die KSK-Zentrale in der Marktstraße von der Wärme aus dem Kanal. Hinzukommen wird noch das geplante städtische Verwaltungszentrum am Bahnhof, da auch dieses dann in der Nähe des Kanals liegen wird, sowie die Firma Schuler die das neu erbaute Technologie-Zentrum mit umweltfreundlicher Abwasserwärme beheizen wird. Unendlich ist diese nur für Großabnehmer und Kanalanlieger sinnvolle Form der alternativen Energiegewinnung allerdings nicht auszudehnen. „Würden alle größeren Unternehmen und Einrichtungen am Kanal diese Energie nutzen wollen, würde das Wasser zu stark abgekühlt und wir würden Probleme bei der Abwasserreinigung bekommen“, erklärt Jochen Gugel. Durch die zukünftig drei Abnehmer ist dies aber kein Problem: Das Abwasser kühlt sich dabei nicht einmal um ein Grad ab. Die tiefsten Temperaturen hat das Abwasser übrigens zu Zeiten starker Schneeschmelze. Doch nicht nur als Energielieferant ist das Klärwerk ein interessantes Beispiel in Sachen Energiewende. Denn die Göppinger Kläranlage ist zugleich auch der größte kommunale Energieverbraucher. Das selbstgesteckte Ziel energetisch autark, also unabhängig zu werden, klingt daher sehr ambitioniert. Doch ein gutes Stück des Weges hat die SEG bereits hinter sich. Der Verbrauch wird über effizientere Anlagen reduziert, die betriebseigene Energieerzeugung intensiviert. Das auf dem SEG-Gelände befindliche und mit Klärgasen betriebene Blockheizkraftwerk erreicht bei der Wärmeerzeugung bereits einen Deckungsgrad von 100%. Die Stromversorgung liegt bei knapp 80%. Kaufmännisch sollen die Werte übers Jahr sogar schon in absehbarer Zeit ausgeglichen sein. Wo aber verbraucht das Klärwerk so viel Energie? Jahr für Jahr fallen derzeit 10.000 Tonnen Klärschlamm an. Bis ins Jahr 2012 wurde dieser vor Ort in Göppingen getrocknet. Doch diese Energie wird nun eingespart, der Klärschlamm von Dienstleistern verbrannt. Es ist ein Rechenspiel, denn statt Energie müssen nun Finanzmittel eingesetzt werden. Hier spielt die Marktbeobachtung eine große Rolle, denn dieser Teil des Klärschlammentsorgungs-Prozesses sei ein erheblicher Kostenfaktor, verrät SEG-Geschäftsleiter Gugel. Deshalb ist es auch ein Ziel, die Menge zu reduzieren. Dies kann über verstärkte Wärmezufuhr und längere Lagerung erreicht werden – all dies mögen die Bakterien im Schlamm. Schon jetzt kann von einer guten Faulung gesprochen werden. Rund 50% der Biomasse werden von den Bakterien „veratmet“, wie der Fachmann diesen Abbauprozess nennt. Diese Erfolge sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sie freuen auch die Bürger der Gemeinden, die an die Kläranlage angeschlossen sind. Die Abwasser-Gebühren konnten lange stabil gehalten werden und sinken inzwischen sogar.