Forstbericht: Ziele, Zustand und Zukunft des Waldes
Bäume sind große Sympathieträger, Wälder erst recht: Die Stadt Göppingen hat über 650 Hektar Wald auf ihrer Gemarkung und kümmert sich auch angesichts des Klimawandels um die Ökologie und Ökonomie dieses wertvollen Ökosystems. Vor Kurzem sind die Stadträte über den Zustand des Waldes informiert worden und haben im Anschluss die Strategie für die Waldbewirtschaftung bis 2035 beschlossen.
Wald hat viele Funktionen: Menschen suchen dort Erholung – sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Pferd und Hund. Wildtiere finden dort ihr Habitat und gute Lebensbedingungen. Waldgebiete sind zudem ökologisch wertvoll, da sie CO2 und Wasser speichern, Schatten spenden und kühlend wirken. Nicht zuletzt wird das Holz ökonomisch genutzt, um etwa nachhaltiges Bauen oder Heizen mit einem nachwachsenden Rohstoff zu ermöglichen.
Erstes Ziel der Stadtverwaltung – gemeinsam mit Förstern, Regierungspräsidium und Landratsamt – ist somit der langfristig angelegte Walderhalt. Und das bedeutet: Eine kluge Bewirtschaftung, die sowohl Ökologie als auch Ökonomie berücksichtigt. Dazu zählt auch, dass der Baumbestand an die sich veränderten Bedingungen mit mehr Hitze und weniger Niederschlag angepasst werden soll. Dies geschieht zum einen durch Nachpflanzungen klimaresistenter Bäume sowie durch Förderung der heimischen Baumarten, die sich bereits natürlich verjüngt haben und als klimaresistent gelten. Eine Versuchsfläche im Eichert gibt es bereits. Die Stadträte haben sich vor Ort ein Bild davon gemacht und haben dabei Informationen erhalten, wie die natürliche Eichenverjüngung funktioniert.
So funktioniert die Eichenverjüngung
Die Eichen haben im vergangenen Herbst ihre Eicheln verloren. Diese sollen nun keimen und neue Göppinger Eichen hervorbringen. Da Eichen jedoch eine Lichtbaumart sind, müssen für die erfolgreiche Eichenverjüngung entsprechende Lichtverhältnisse geschaffen werden. In einem ersten Schritt wurden daher die Schattenbaumarten wie beispielsweise die Buche entnommen. So entstanden erste Lichtkegel für die jungen Eichen.
Um diese jungen Eichen zu fördern, muss in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder dafür gesorgt werden, dass die Lichtbedingungen für die Eichen optimal sind. Dies bedeutet, dass kontinuierlich aufwachsende Buchen, Erlen und andere Bäume entfernt werden. Zusätzlich muss die Fläche eingezäunt werden, da junge Eichen bei Wildtieren sehr begehrte Delikatessen sind. Der nun vorgeschlagene Ansatz der Eichenverjüngung ist daher arbeitsaufwändig und wird zu einem veränderten Waldbild führen, da nun nach dem Beschluss des Gemeinderats im Stadtwald an verschiedenen Stellen solche parkähnlichen Kleinflächen entstehen werden, wie sie aktuell beispielhaft im Eichert zu sehen sind.
Welche Baumarten derzeit vertreten sind
Im Göppinger Forst sind sehr unterschiedliche Baumarten zu finden. Dabei hat die Eiche den größten Anteil mit 28 Prozent und ist zusammen mit der Buche (22 Prozent) führend. Es gibt aber auch immer mehr Bergahorn, Linden, Hainbuchen oder Birken. Diese hohe Biodiversität ist eine Stärke des Göppinger Stadtwalds. Was stark zurückgeht, ist allerdings der Bestand der Fichten und Eschen. Die ersteren wegen des Klimawandels, die zweiteren wegen des Eschentriebsterbens.
Gewachsen ist in den vergangenen zehn Jahren der Holzvorrat – also der Vorrat an einschlagbaren Bäumen. Dabei wird der Rückgang bei den Fichtenbeständen dadurch aufgefangen, dass Bäume, die nach dem Orkan Lothar Ende 1999, gepflanzt wurden, nun in ihre wuchsstarken Jahre kommen. In Zahlen bedeutet das: Lag der Holzvorrat 2016 noch bei 200.000 Kubikmetern, ist er 2026 auf rund 209.500 Kubikmeter angewachsen. Das entspricht ungefähr dem Rauminhalt des Neckarstadions in Stuttgart.
Nimmt man nun die vergangenen zehn Jahre, so sind insgesamt 38.650 Kubikmeter Holz genutzt worden. Das soll in den kommenden zehn Jahren etwas erhöht werden, da – siehe oben Orkan Lothar – mit mehr Holzzuwachs gerechnet wird. Gleichzeitig wird der Erhalt und die Förderung von Habitatbäumen und Totholz verfolgt, da diese wichtig für die heimische Biodiversität sind und Vögeln sowie Insekten einen wertvollen Lebensraum bieten. Die Planungen im Naturschutzgebiet werden mit der höheren Naturschutzbehörde abgestimmt. Und nicht zuletzt wird weiter darauf geachtet, dass die Waldfunktionen wie Erholung, Bodenschutz, Immissionsschutz und Klimaschutz gesichert sind und miteinander in Einklang gebracht werden können.