Partnerschaft für Demokratie der Stadt Göppingen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“
Das Zusammenleben in unserer demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft ist kein Selbstläufer! Angriffe auf Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit sowie Ideologien der Ungleichwertigkeit sind dauerhafte Herausforderungen für die gesamte Gesellschaft. Sie äußern sich in Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, in ständig wachsender Islam-bzw. Muslimfeindlichkeit, Antiziganismus, Ultranationalismus, Homophobie, gewaltbereitem Salafismus bzw. Dschihadismus, und linker Militanz. Um ihnen entgegenzutreten, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von Staat und Zivilgesellschaft. Wie auch schon in den Vorgängerprogrammen „Vielfalt tut gut“ und „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“ beteiligt sich die Stadt Göppingen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! - Demokratie fördern, Vielfalt gestalten, Extremismus vorbeugen“ an dieser gemeinsamen Anstrengung.
Die Partnerschaft für Demokratie
Kern des Bundesprogramms sind derzeit über 300 Partnerschaften für Demokratie – eine davon bildete sich Anfang 2015 in Göppingen. Hier kommen die Verantwortlichen aus der kommunalen Politik und Verwaltung sowie Aktive aus der Zivilgesellschaft – aus Vereinen und Verbänden über Kirchen bis hin zu bürgerschaftlich Engagierten – zusammen. Anhand der lokalen Gegebenheiten und Problemlagen entwickeln sie gemeinsam eine auf die konkrete Situation vor Ort abgestimmte Strategie.
Den geförderten Kommunen stellt das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Gelder für einen Aktions- und Initiativfonds zur Verfügung, aus dem konkrete Projekte und Initiativen finanziert werden können. Hierbei kann es sich beispielsweise um ein Demokratiefest, eine Plakataktion, Workshops, Lesungen oder aber auch um Lehr- und Informationsmaterialien handeln.
Über die zu verwirklichenden Einzelmaßnahmen entscheidet ein Gremium, das sogenannte „Bündnis“, das neben Vertreterinnen und Vertretern aus möglichst allen relevanten Ressorts der kommunalen Verwaltung und anderer staatlicher Institutionen mehrheitlich mit lokalen Akteurinnen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft besetzt wird. Das Bündnis fungiert als strategisch handelndes, zentrales Gremium bei der Umsetzung der lokalen „Partnerschaft für Demokratie“.
Zur fachlich-inhaltlichen Koordinierung der Einzelmaßnahmen wurde eine Koordinierungs- und Fachstelle eingerichtet. Mit der BruderhausDiakonie – Jugendhilfen Deggingen konnte hierfür ein anerkannter und erfahrener Träger gewonnen werden. Die Koordinierungs- und Fachstelle ist für die Steuerung der Umsetzung der lokalen „Partnerschaft für Demokratie“ zuständig, fungiert als Ansprechpartner für Träger von Einzelmaßnahmen, berät bei Problemen aus dem Themenkreis von „Demokratie leben!“ und trägt zur Bekanntmachung der vor Ort geleisteten Maßnahmen bei.
Ein weiteres wesentliches Element der Partnerschaft für Demokratie ist das Jugendforum „Project X“. Das Jugendforum wird von Jugendlichen in einer selbst gewählten Form eigenständig organisiert, geleitet und trägt eigenständig zur Ausgestaltung der Partnerschaft bei. Mitmachen können alle jungen Menschen, die sich für Demokratie und Vielfalt in Göppingen einsetzen wollen. Das Jugendforum verwaltet einen eigenen Jugendfonds, über den spezielle Projekte „von Jugendlichen, für Jugendliche“ gefördert werden können.
Ziele der Partnerschaft
Das Bundesprogramm hat sich den Dreiklang „Demokratie fördern. Extremismus vorbeugen. Vielfalt gestalten“ zum Ziel gesetzt. Die Göppinger Partnerschaft für Demokratie hat daraus drei Leitziele abgeleitet, die handlungsleitend sind:
- Leitziel 1: Durch aktive Beteiligung (junger) Menschen wird das bürgerschaftliche Engagement im Stadtgebiet gestärkt und Demokratie (er)lebbar gemacht
- Leitziel 2: Stärkung des öffentlichen Engagements gegen Extremismus, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und für Demokratie und Vielfalt
- Leitziel 3: Förderung der Ausgestaltung einer vielfältigen, lokalen Kultur des Zusammenlebens
Bei den Gefährdungen unserer pluralistischen Gesellschaft steht der Begriff der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ im Mittelpunkt. Immer dort, wo Menschen wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ausgegrenzt, diskriminiert oder angegriffen werden, ist eine starke Zivilgesellschaftliche Reaktion notwendig. Rechtsextremismus, Muslimfeindlichkeit, gewaltbereiter Salafismus sind nur einige der Ausprägungen menschenfeindlichen Denkens.
Um Demokratie zu stärken, wird ein besonderer Wert auf die Beteiligung (Partizipation) junger Menschen gelegt. Gerade sie müssen erfahren, dass Demokratie vom Mitmachen lebt und unsere Gesellschaft gestaltbar ist. Gerade Schulen und Jugendeinrichtungen sind hierbei selbstverständlich wichtige Kooperationspartner.
2008 wurde Göppingen als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet, weil Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion und Weltanschauung hier in vorbildlicher Weise zusammenleben. Diese vielfältige, lokale Kultur des Zusammenlebens zu fördern und zu stärken, ist ein weiterer wichtiger Baustein unseres Programms.
Zahlen, Daten, Fakten
Seit 2015 beteiligt sich die Stadt als eine der ersten Kommunen am Bundesprogramm „Demokratie leben!“.
Bis Ende 2025 hat die Partnerschaft über 220 Projekte und Einzelmaßnahmen gefördert oder selbst durchgeführt und dabei mehr als 40.000 Menschen erreicht. 63 unterschiedliche Organisationen – Vereine, gemeinnützige Initiativen und Jugendgruppen - haben in diesem Zeitraum Projekte durchgeführt. Zahlen, die zeigen, dass das die Göppinger Partnerschaft für Demokratie lebt und über ein weitverzweigtes Netzwerk verfügt.
Antragsstellung
Sie haben eine Idee für ein Projekt? Anträge für eine Projektförderung können – vorbehaltlich der zur Verfügung stehenden Mittel - ganzjährig gestellt werden. Antragsberechtigt sind alle gemeinnützigen Organisationen, die sich für die Leitziele des Bundesprogramms „Demokratie fördern. Extremismus vorbeugen. Vielfalt gestalten“ aktiv einsetzen.
Vor der Antragsstellung ist eine Erstberatung durch die Koordinierungs- und Fachstelle verpflichtend. Nach der Erstberatung erhalten Sie von der Koordinierungs- und Fachstelle alle notwendigen Antragsunterlagen.
Die Koordinierungs- und Fachstelle berät und unterstützt Sie gerne bei der Antragsstellung. Kontakt: Koordinierungs- und Fachstelle in Trägerschaft der BruderhausDiakonie, Harald Maas, demokratie@goeppingen.de.